Tayrona Nationalpark – Highlight in Kolumbien

10.01.2020

Unser Programm war auch an diesem Tag straff geplant. Nicht nur, dass wir eine durch den Tayrona Nationalpark wanderten, sondern wir mussten um 16 Uhr wieder den nächsten Bus erwischen.

Insgesamt standen uns „nur“ 7 Wochen in Kolumbien zur Verfügung und in denen wollten wir so viel wie möglich von diesem Land sehen. Um aber alles, was wir uns vorgenommen hatten machen zu können, mussten wir einige Destinationen zeitlich begrenzen.

Rein in den Dschungel – Der Tayrona Nationalpark ruft

In unserem Hostelzimmer lernten wir Sonya und Jonas kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb und als wir feststellten, dass wir die gleichen Pläne für den heutigen Tag hatten, beschlossen wir, gemeinsam den Tayrona Nationalpark zu besuchen.

Der Park öffnete um 8 Uhr, weshalb wir dachten, dass 7:30 Uhr eine gute Zeit wäre, um Richtung Eingang zu laufen, sich in der Schlange anzustellen und unsere Reservierungen gegen ein Eintrittsbändchen umzutauschen. Als wir am Eingang ankamen, war es trotz allem ein kleiner Schock, als wir sahen, wie lang die Schlange bereits war. Wieder fragten wir uns, warum man nicht direkt die Eintrittsbändchen kaufen kann, das würde einiges Chaos ersparen.

Pünktlich um 8 Uhr öffneten die Verkaufsschalter und der Einlass konnte beginnen. Zunächst ging es in der Schlange ziemlich zügig vorwärts, doch dann stockte es. Wir standen und standen und wussten nicht warum. Nach einer Viertelstunde Warterei erfuhren wir, dass ein Systemfehler vorliegt und wir mussten nochmal einige Zeit warten, bis der Fehler behoben wurde und wir endlich in den Park konnten.
Mit einem kleinen Shuttlebus (3.000 Pesos) kamen wir an den Anfang der Wanderwege.

Über einen kleinen Weg liefen wir mit vielen kolumbianischen, aber auch ausländischen Touristen durch einen Laubwald Richtung Meer. Vom Wasser ausgewaschene Schlammwege wechselten sich dabei mit menschengemachten Holzwegen und riesigen Felsen ab. Es ging bergauf und bergab und noch bevor ich das Meer sah, nahm ich das Rauschen der Wellen wahr. Wie Donner schlug die Brandung gegen die Felsen und verursachte eine Gänsehaut auf meiner Haut.

Begeistert blickte ich mich um, als wir schließlich am Meer angekommen waren. Wir befanden uns an einem Aussichtspunkt für Fotos und natürlich fingen alle sofort an Selfies und Landschaftsbilder zu machen, ohne die Natur erstmal auf sich wirken zu lassen. Wir standen etwas erhöht und blickten über grüne Bäume hinaus aufs Meer, das in hohen Wellen ans Ufer brandete. 

Der nächste Teil des Weges führte uns wieder mitten hinein in den Dschungel. Wir waren umgeben von Lianen und großen Bäumen mit riesigen Blättern – alles ist ineinander verschlungen. In den Ästen hingen riesige Ameisennester und auch auf dem Boden sahen wir immer wieder die „Ameisen-Autobahnen“ der Blattschneide-Ameisen. Viele Menschenwege wurden von den Ameisen untertunnelt, damit diese geschützt vor menschlichen Schuhen ihrer Arbeit nachgehen können. Kapuzineraffen sprangen um uns herum, einige hatten Babys auf dem Rücken.

Mit der Zeit veränderte sich der Dschungel erneut. Er wurde immer lichter und die Bäume wurden durch immer mehr von Kokospalmen abgelöst bis irgendwann nur noch Kokospalmen zu sehen waren.
Selbstverständlich hatten fleißige Menschen schon etwas vorbereitet und verkauften durstigen Touristen eine der frisch vor Ort gewachsenen Kokosnüsse.

Der Weg führte uns erneut ans Meer, doch Schwimmen durften wir nicht. Die Strömung ist hier ganzjährig so stark, dass man nicht ins Wasser darf.

Auf unserem weiteren Weg überholte uns plötzlich ein Esel, dessen linkes hinteres Bein wohl einmal ausgerenkt war und nie korrigiert wurde. Der Oberschenkel des Esels schlackerte bei jedem Schritt und mitleidig beobachteten wir, wie der Esel wieder im Busch verschwand.

An einer größeren Lichtung mit Blick auf einen Fluss, hatte ein Schweizer eine Bäckerei eröffnet. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich ein Fluss mit einem riesigen Felsbrocken, auf dem sich gerade ein Graureiher trocknete.

Der Duft von frisch gebackenen Brötchen und Kaffee stieg uns in die Nase. Es bedurfte keiner Worte um uns darauf zu einigen, hier zu frühstücken.
Während wir noch an unseren leckeren Schokobrötchen knabberten, lief der verletzte Esel von eben an uns vorbei und stieg in den Fluss. Das Wasser reichte ihm an der tiefsten Stelle bis zum Hintern. Auf der anderen Seite angekommen, betrat er das hohe Schilf und war wieder verschwunden.

Auf unserem weiteren Weg wurden wir immer wieder von (Maul-) Eseln überholt, die entweder Touristen oder Gepäck auf ihrem Rücken trugen. Alle Tiere sahen dabei ziemlich unterernährt und schlecht behandelt aus.
Deshalb kann ich immer wieder nur dazu aufrufen, keine Tiere im Urlaub zu reiten, egal ob Pferde, Maultiere oder Kamele. Die meisten Tiere werden gequält und müssen Tag für Tag die gleiche Strecke absolvieren ohne genügend Futter zu erhalten. Wer trotz allem nicht auf das Vergnügen verzichten möchte, die Welt von einem Pferderücken zu genießen, der sollte sich im Vorfeld über den Anbieter informieren und sich die Tiere genau ansehen – denn ab und zu gibt es Ausnahmen, aber eben nicht viele.

Die Grillen fingen an zu zirpen, als es immer wärmer wurde, doch zum Glück ist es an diesem Tag bewölkt und nicht so heiß wie die letzten Tage. Dafür war die Luftfeuchtigkeit höher als wir es bisher gewohnt waren und unsere Wanderung wurde immer anstrengender. Doch unsere Bemühungen wurden mit einem riesigen Badestrand belohnt. Wunderschön erstreckte sich ein langer Strandabschnitt über den Horizont. Mir gefiel es hier auf Anhieb.
Obwohl auch hier schon einige Touristen ins kühle Nass sprangen, war der Ort friedlich und lud zum Entspannen und Verweilen ein. Doch unser Ziel befand sich noch ein Stückchen weiter vorne. Wir überquerten noch einmal eine Passage im Dschungel, dann kamen wir wieder an einen Strandabschnitt mit einem kleinen Berg, auf dem eine Hütte als Aussichtspunkt stand – Cabo San Juan del Guia– unser Ziel für heute.

Die Stufen waren schnell genommen und so konnten wir einen herrlichen Blick über die ganze Bucht genießen. Es war wunderschön, aber auch ziemlich windig, sodass man sich beispielsweise in die aufgespannten Hängematten nicht reinlegen durfte.

Für Nadine und mich war es langsam an der Zeit zu gehen. Wir verabschiedeten uns von Jonas und Sonya und nahmen den Weg durch den Dschungel wieder zurück zum Eingang des Parks.

Vom Tayrona Nationalpark nach Minca

Bei unserem Hostelbesitzer hatten wir uns darüber informiert, wie wir am besten von Zainos (Tayrona Nationalpark) nach Minca kommen. Dafür mussten wir zunächst auf einen speziellen Bus Richtung Santa Marta (7.000 Pesos) warten, der gegen 16 Uhr die Straße entlangfuhr. Mit dem fuhren wir bis zur „Cervezeria Bavaria“, die sich kurz vor Santa Marta befindet. Der Busschaffner empfahl uns, bis zum Hauptbahnhof in Santa Marta zu fahren und dort mit dem Bus seiner Company weiter nach Minca zu fahren, doch der Hauptbahnhof befindet sich mitten in der Stadt und es herrschte Rush Hour. Wir hielten uns daher an die Empfehlung unseres Hostelbesitzers. Der hatte uns bereits davor gewarnt, dass die Busfahrer und -schaffner immer empfehlen würden bei ihrer Company weiterzufahren, egal ob es Sinn macht oder nicht.
Bei unserem Ausstiegspunkt handelte es sich um ein mittelgroßes Autobahnkreuz außerhalb der Stadt vor der Bierbrauerei. Als wir ausstiegen, kamen die Taxifahrer auf uns zu und boten lautstark ihre Dienste an. Die günstigere Alternative bot jedoch ein Bus, mit dem wir weiterfahren wollten. Doch wie das so ist, kamen wir mit einem Taxifahrer in Verhandlungen und als er mit dem Preis soweit runterging, dass sich der Tausch Bus gegen Taxi lohnte (20.000 Pesos), stiegen wir in das Taxi ein und los ging es Richtung Minca.

Doch nicht lange, da hielten wir auch schon wieder an. Ein dicker Stau befand sich vor uns und mit jeder Minute wurde er länger. Unser Taxifahrer, Juan, telefonierte mit jemanden und erfuhr, dass ein schlimmer Unfall passiert war. Leider gab es auch keine Möglichkeit außen rum zu fahren. Von Santa Marta führt nur eine Straße Richtung Minca und die war blockiert. Juan bot uns an, dass wir von seinen Kumpels auf einem Motorrad abgeholt werden könnten, die von hier bis zum Hostel fahren würden. Nadine und ich schauten uns mit großen Augen an.
„Also mit den Backpacks?“, fragten wir Juan, der einfach nur nickt.
„Ja. Die werden hinten drauf geschnallt. Kein Problem, kein Problem.“ Nadine und ich sahen uns lange an und wir wussten genau, was die andere dachte.
„Ich glaube, das ist nicht nötig. Wir fahren lieber bei dir weiter“, sagte ich und kurbelte das Fenster etwas runter um Luft ins Auto zu lassen, doch draußen war es fast ebenso heiß und stickig wie im Auto. Juan seufzte unglücklich, denn für ihn war das ganz und gar kein Schnäppchen und wir freuten uns, dass wir nicht mit dem Bus unterwegs waren.

Eine halbe Stunde später waren wir nur einige Meter weiter vorangekommen, doch dafür hatten wir einen neuen Fahrgast. Juan hatte seine Freundin mit dazu geholt, da wir sind seine letzte Fahrt waren und er dann noch einen romantisch Abend in Minca verbringen wollte.
„Darauf stehen die Ladies“, versicherte er uns augenzwinkernd, bevor seine Angebetete ins Auto stieg.

Eine weitere halbe Stunde später war der Unfall geräumt und wir konnten die 15 km nach Minca weiterfahren. Mittendrin wurden wir jedoch wieder angehalten, eine Polizeikontrolle. Routinemäßig werden immer wieder Taxis kontrolliert, ob es auch offizielle Taxis sind. (Uns ist das aber nur dieses eine Mal passiert).

Wie in Kolumbien üblich, kannte unser Taxifahrer jemanden für die Weiterfahrt von Minca Town zu unserem Hostel, denn das liegt etwa 20 Fahrminuten den Berg hoch. Als wir in Minca ankamen, standen die Motorräder schon bereit. Das Gepäck wurde hinten aufgeschnallt, wir bekamen einen Helm und so beladen ging es den steilen, felsigen und schlammigen Weg hoch. Immer wieder rutschte das Motorrad auf dem Kies rum und ich klammerte mich an meinem Fahrer fest. Doch nach 20 Minuten kamen wir unbeschadet am Hostel „Mundo Nuevo“ an, auch wenn ich meine Finger mit einem Klemmeisen wieder auseinanderbiegen musste. Leider kamen wir zu spät, um den Sonnenuntergang von der hochgelegenen Plattform aus zu betrachten. Doch dafür hatten wir an einem anderen Tag noch Zeit.

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