Corcovado Nationalpark und Lapa Rios

09.03. – 11.03.2020

09.03.2020 // Wie sich am Montag herausstellte, war die Anzahl der Besucher im Corcovado Nationalpark limitiert und in den einzelnen Touristikbüros war für diese Woche kein Platz mehr für mich zu finden. Als ich mich im Vorfeld über die Touren in den Nationalpark erkundete, erfuhr ich zwar, dass man nur mit einem Guide in den Dschungel durfte, doch dass die Plätze so heiß begehrt waren, hatte ich noch nicht gelesen.

Frustriert erzählte ich Chris, dem Hostelbesitzer, von meinem Misserfolg eine Tour durch den Corcovado Nationalpark zu buchen. Er überraschte mich mit der Aussage, dass er lizenzierter Tourguide sei und wenn wir ein paar Leute zusammenbekommen, morgen eine Tagestour machen könnten. Sofort Feuer und Flamme für die Idee, kontaktierte ich Raja, eine Zimmergenossin aus dem vorherigen Hostel. Sie wollte ebenfalls eine Tour machen und so konnte ich sie davon überzeugen, mit uns zu gehen. Das Schweizer Pärchen, welches seit dem gestrigen Abend in meinem Hostel wohnte, war ebenfalls dabei und so konnte Chris die Bootsüberfahrt reservieren und die noch freien Plätze für den Eintritt im Corcovado Nationalpark für uns buchen.

Wanderung zum Lapa Rios

Für den Rest des Tages plante ich die Wanderung zum Wasserfall Lapa Rios. Mit dem Motorrad ging es wieder die staubige Schotterpiste Richtung Süden. An einem Parkplatz wechselte ich von motorisiert auf Fußbetrieb. Ab hier waren es kleine Pfade, die mich immer tiefer in den Dschungel führten. Auf den Ästen der hohen Bäume spielten verschiedene Affenfamilien. Ein paar neugierige Exemplare verfolgten mich auf meinem Weg zum Wasserfall. Viele Menschen schienen hier nicht entlang zu laufen. Außer den Geräuschen des Dschungels war es vollkommen still und ich konnte sehr schön auch schwer zu sichtende Vögel und Insekten beobachten.

Nach etwa 40 Minuten Wanderung war ich am Wasserfall angekommen. Das Wasser war ziemlich kalt und doch angenehm nach der Anstrengung. Dem grauen Schlamm, den man rund um das Naturbecken sammeln kann, wird eine heilende und verjüngende Wirkung zugeschrieben. Kaum höre ich davon, beschmiere ich mich von unten bis oben mit Schlamm. Während mir die Frage durch den Kopf schwirrt, wie lange es wohl dauert, bis ich 10 Jahre jünger aussehe, knabbert etwas an meinen Füßen und ich springe entsetzt auf. Schließlich habe ich noch gut das Bild vom Krokodil gestern in meinem Kopf (Nachlesen, wie ich fast mit einem Krokodil geschwommen wäre). Diesmal ist jedoch kein hungriges Tier hinter mir her. Nun ja… kein richtig gefährliches hungriges Tier.
Im Fluss gibt es kleine Garnelen, die gerne an den Füßen der Leute knabbern und alte Hautschuppen entfernen. Quasi eine Spa-Behandlung – und das auch noch umsonst! So konnte man den Tag genießen.

Corcovado Nationalpark

10.03.2020 // Die einfachste Art um von Puerto Jiménez zum Corcovado Nationalpark zu gelangen ist das Schnellboot, welches um 5:30 Uhr den Hafen verlässt.

Gegen 5 Uhr waren wir mit Chris an einer lokalen Bäckerei verabredet, bei der wir unser Mittagsbrot erhalten sollten – so wie alle anderen, die heute zum Nationalpark fahren wollten. Sprich: Es war sehr voll in der Bäckerei, doch die waren den Andrang gewohnt und so hatten wir relativ zeitig unsere Brote und liefen weiter zum Hafen. Dort warteten wir mit den vielen anderen Touristen darauf, dass die Boote ablegten.

Chris klärte für uns, dass wir in einem der ersten Boote sitzen würden, die bis zum Sirena Strand im Nationalpark fahren, wo wir gegen 7 Uhr ankamen. Während der Fahrt hatten wir einen tollen Blick auf den Sonnenaufgang.

Beim Sirena Strand angekommen, mussten wir erstmal die Schuhe ausziehen und ins knietiefe Wasser steigen um an Land zu kommen. Der felsige Untergrund war glitschig, die Wellen machten es nicht einfach sicher bis zum Strand zu laufen. Doch alle aus unserer Gruppe schafften es ohne ins Wasser zu fallen und los ging die Tour.

Im Corcovado Nationalpark gibt es ausgewiesene Wanderstrecken und nur auf diesen Strecken darf man auch laufen. Wer von den Rangern außerhalb der Wege erwischt wird, hat mit hohen Geldbußen zu rechnen.

Da die meisten Gruppen dem linken Weg folgten, gingen wir den rechten Weg entlang. Bereits wenige Meter später sahen wir die ersten Wildtiere. Viele davon hatten ein Junges. Doch Highlight des ersten Abschnittes war ein Tapir das träge in einem schlammigen Bachlauf schlief. Anders als wir, konnte der Tapir ausschlafen. In Costa Rica leben nur noch 1000 Tapire, weshalb es ein ganz besonderes Ereignis ist, einem zu begegnen.

Ich hatte zwar schon öfter im Fernsehen das ein oder andere Exemplar gesehen, doch hätte ich nie gedacht, dass die Tiere so groß und massig sind. Nach der eingehenden Beobachtung aus angemessener Entfernung, ging es für das Tapir und uns weiter.

Der Corcovado Nationalpark ist einer der biologisch wertvollsten Gegenden der Welt. 13 unterschiedliche Ökosysteme mit einer großen Anzahl an Tier- und Pflanzenarten können hier in dichtem Tieflandregenwald, prämontanem Bergregenwald und Mangroven betrachtet werden. Es gibt sehr viel zu entdecken und ich empfehle eine mehrtägige Tour, auch wenn ich nur die Tagestour machen konnte.

Dass der Nationalpark so behütet und beschützt ist, war jedoch nicht immer so. In den 1960er Jahren wurden viele Parts aufgrund eines Goldfunds und des darauf ausbrechenden Goldrauschs zerstört. Zum Glück war dem damaligen Präsidenten Daniel Oduber Quirós die Natur und das Gleichgewicht der Ökosysteme wichtiger. 1986 wurden die Goldgräber aus dem Gebiet vertrieben und der Regenwald wieder aufgeforstet. Dadurch gehört der Corcovado Nationalpark auf der Osa-Halbinsel zu den größten zusammenhängenden Primärwälder der amerikanischen Pazifikküste.
Unser Weg führte über die ehemalige Flugbahn zur Sirena Ranger Station, wo wir eine kurze Rast einlegten, bevor des den Rundweg weiter ging.

Mehrere Nasenbären und sogar eine ganze Nasenbär-Familie kreuzten unseren Weg. Da die Tiere Touristen gewohnt sind und auch nichts von Menschen zu befürchten haben, konnten wir die süßen Nasenbären lange beobachten und sie kamen sogar relativ nah an uns heran.

Waren Tiere zu weit entfernt oder zu schreckhaft, um näher heranzugehen, war das mitgebrachte Teleskop nützlich. Hierüber konnten wir sogar richtig schöne Aufnahmen mit unseren Handykameras machen.
Ständiger Begleiter waren Affen. Entweder alleine oder in kleinen Gruppen. Doch überall um uns herum waren sie in den Bäumen, beobachteten uns, wie wir sie beobachteten, fraßen oder interagierten untereinander. In Costa Rica gibt es vier Affenarten, die wir alle an diesem Tag beobachten konnten: Brüllaffen, Totenkopfäffchen, Weißkopf Kapuziner Affen und Spinnenaffen (manchmal auch Klammerschwanzaffen genannt).

Nach der Begegnung mit einem Great Curassow (Tuberkelhokko) befanden wir uns am Rio Sirena, der ins Meer mündet. Wir hatten Glück, es war Ebbe und wir mussten nicht durch das Gewässer waten. Laut unserem Guide passiert das ab und zu, auch wenn alle Guides versuchen, diesen Umstand zu vermeiden. Denn im Fluss tummeln sich nicht nur hungrige Krokodile, sondern auch aggressive Bullenhaie (manchmal auch Gemeiner Grundhai, Stiehai oder Sambesihai genannt). Beide Tiere können sowohl im Salz- als auch im Süßwasser überleben und sind daher ebenfalls in Flüssen zu finden.

Auf der letzten Etappe hatten wir noch viele tolle Möglichkeiten die Flora und Fauna Costa Ricas zu bewundern.
Der Rundweg war beendet, wir befanden uns wieder dort, wo wir gestartet waren. Die Boote waren noch nicht vollzählig wieder da, dafür die meisten Touristen. Wir durften uns noch ein bisschen in der näheren Umgebung umzuschauen. Doch dann war es Zeit in die Boote zu klettern und wieder 1,5 Stunden nach Puerto Jiménez zu fahren.

Mein Fazit: Unvergleichliches Erlebnis

Wer reine Natur mit einer Vielzahl an Tieren beobachten möchte, hat im Corcovado Nationalpark die besten Chancen dafür. Den zu besuchen ist aber nicht so einfach, wie es sein könnte. Die Plätze in den Touren sind schnell vergeben und sollten daher so früh wie möglich gebucht werden. Zu der Zeit, als ich die Tour buchen wollte, musste man bei manchen Büros zudem ein Bankkonto in Costa Rica haben und den Betrag überweisen. Hier zahlt es sich aus, einen vertrauenswürdigen Guide zu haben, der diese bürokratischen Hürden für einen aus dem Weg räumt. Teilweise muss die Anzahlung eine Woche vorher beim Nationalpark eingegangen sein. Auch hier hatten ich und meine Reisegruppe Glück mit unserem Guide, der durch persönliche Kontakte auch dieses Hindernis regeln konnte.

Die mehrtägigen Touren sind für körperlich Fitte zu empfehlen. Die Wege sind nicht immer einfach zu bewältigen und bei einer Luftfeuchtigkeit von 90% mit einer Temperatur von 30°C kommen einige an ihre körperlichen Belastungsgrenzen.

Für die Tagesausflüge benötigt man einen ausgezeichneten Guide, der weiß, wo sich welche Tiere aufhalten und wie man sie findet. Doch wer in Costa Rica ist, darf diesen Nationalpark nicht verpassen.

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