Die lange Reise von Bogotá nach Villa de Leyva

Im Norden, kurz über Bogotá, liegt Zipaquirá. Dort gibt es eine der drei größten Salzkathedralen auf der Welt (die zwei anderen liegen in Polen). Diese Salzkathedrale wurde uns beiden wärmstens empfohlen und auch im Lonely Planet war es ein Must-See. Also entschlossen wir uns, am 27.12. erstmal weiter zu dieser Salzkathedrale zu fahren. Im Hostel und auch am Bahnhof in Bogotá wurde uns versichert, dass von Zipaquirá ein Direktbus nach Villa de Leyva fahren würde. Frohen Mutes ging es also erstmal los.

Cathedral de Sal

Mit den Backpacks kamen wir bei der Salzkathedrale an und wollten die erstmal irgendwo abstellen. Direkt am Eingang wurden wir zu einem Eisladen weitergeleitet, der unser Gepäck („Sehr sicher! Sehr sicher!“) aufbewahren könne. Der Eisladen war ca. 4m² groß und hatte gerade genug Platz für die gut beleibte Verkäuferin. Die bot uns an, die Backpacks für $5.000 aufzubewahren. Da uns das etwas zu teuer vorkam, entschieden wir uns erstmal dagegen und kauften die Eintrittskarten. Dort erfuhren wir, dass wir die Gepäckstücke bei der Kletterwand (Ja, dort gibt es tatsächlich auch eine Kletterwand) unterbringen könnten. Meine Cousine Nadine ging vor um zu erfahren, dass es dort $ 2.000 kosten würde. Sie kam gerade zu mir zurück, als ich bei der Schlange beim Audioguide ganz vorne war. Und dort wurde uns ohne Umschweife angeboten, dass wir die Backpacks kostenfrei dort abstellen konnten. Das klang fair und so nahmen wir dieses Angebot gerne an. Man lernt also immer wieder, dass sich Vergleichen und Handeln lohnt.

Weiter ging es nun in den Tunnel, um zur Salzkathedrale zu gelangen. Die Salzkathedrale wurde von den Kolumbianern vor einigen Jahren als eines der Wunder Kolumbiens gewählt. So richtig erklären kann ich mir das nicht. Außer mit der Tatsache, dass hier alle noch sehr gläubig sind. Mit einem Audioguide bewaffnet startete die Tour mit dem Kreuzweg Jesu.

An jeder Station wurde von den Handwerkern ein großes Kreuz in den Salzstein gehauen. Es sah schon ganz cool aus, aber auch nicht direkt so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir hatten uns mehr glitzernde Salzkristalle vorgestellt und mehr „WOWs“. Aber wir sind ziemlich durchgerauscht, weil es gar nicht so spektakulär war, wie es behauptet wurde.

Auch die Kathedrale an sich war nicht so unglaublich, dass es den nachträglichen Aufwand rechtfertigte. Für jeden, der nicht gläubig ist und schon einmal eine Kirche gesehen hat, dem kann ich also nicht empfehlen, in diese Kathedrale zu gehen.

Das Hauptschiff der Salzkathedrale

Von Zipaquirá nach Villa de Leyva

Ziemlich enttäuscht ließen wir uns, 1,5 Stunden nachdem wir die Kathedrale betreten hatten, mit dem Taxi zum Busbahnhof fahren. Der Taxifahrer versicherte uns, dass man am Busbahnhof direkt oder über Chiquinquirá nach Villa de Leyva fahren könne. Am Busbahnhof angekommen, wurden wir jedoch eines besseren gelehrt. Es gab zwar viele Schalter, aber nur einer war geöffnet. Die diensthabene Dame schickte uns mit dem nächsten Bus nach „La Reina“ und versicherte ihrerseits, dass wir dort einen Direktbus nach Villa de Leyva bekommen könnten. Die fahren da ständig lang. Wir wussten nicht, was La Reina sein soll, aber uns blieb keine andere Wahl. Also auf nach La Reina…. die sich als Tankstellen/Busstation herausstellte.

Bei der dortigen Frau am Schalter mussten wir uns mitteilen lassen, dass von dort gar keine Busse nach Villa de Leyva fahren, sondern nur nach Chiquinquirá und die seien alle ausgebucht. Aber sie hatte natürlich direkt eine Lösung für uns. Ein Kollege fährt heute noch nach Chiquinquirá und hat zufälligerweise noch ein paar Plätze frei, um uns mitzunehmen.

Es handelte sich um einen kleinen Minibus, der direkt nach Chiquinquirá fährt und für den gleichen Preis wie mit dem großen Bus. Da wir mittlerweile herausgefunden hatten, dass man nicht alles glauben darf, was einem Ticketverkäufer erzählen, warteten wir etwa 15 Minuten und schauten, ob wir nicht doch einen Bus nehmen könnten.

Und tatsächlich kamen 2 Busse, aber alle waren voll. Wir fragten, wann der Minibus losfahren würde und die Antwort war 20 Minuten. Anscheinend blieb uns erstmal keine andere Wahl, also beschlossen wir dort mitzufahren. Im Minibus warteten bereits acht zusammengepferchte Menschen. Unser Gepäck wurde auf den Minibus geladen und die Warterei begann.

5 Personen kommen mit dem Taxi

Nach etwa einer halben Stunde ging meine Cousine vor an den „Terminal“ um zu erfahren, wann die 20 Minuten vorbei seien. Auch wenn wir wussten, dass man in Kolumbien viel Zeit einplanen muss zum Reisen, mussten wir ja von Chiquinquirá noch nach Villa de Leyva kommen. Also hatten wir etwas Zeitdruck, es war schließlich schon kurz nach eins und die Fahrt würde länger dauern. Der Fahrer vertröstete uns noch zwei Mal um fünf Minuten und meinte beim dritten Nachfragen, dass er erst los fährt, wenn noch fünf Personen kommen.

Die Warterei ging also weiter. Denn auch, wenn immer wieder Busse Richtung Chiquinquirá kamen, waren alle voll. Nach weiteren 20 Minuten fragten wir den Fahrer, wann er denn losfahren würde. Anscheinend kommt niemand mehr. Seine Antwort: „Doch doch. Es sind gerade 5 Personen mit dem Taxi hierher unterwegs.“ Uns war klar, dass das mehr als gelogen war und da die Zeit langsam knapp wurde, beschlossen wir, uns ein Uber zu bestellen, auch wenn das ziemlich teuer werden würde.

Doch so große Entfernungen werden von Uber nicht angeboten, also mussten wir weiter warten. Dann kam die größte Frechheit überhaupt. Der Fahrer verkündete, dass er die Fahrt absage, weil es nicht genug Passagiere gäbe. Unsere Backpacks wurden wieder vom Dach runtergeholt und nun standen alle Passagiere auf der Straße, um den nächsten Bus nach Chiquinquirá zu bekommen. Doch alle waren voll. Nadine und ich waren kurz davor zu verzweifeln. Würden wir es überhaupt noch nach Villa de Leyva schaffen?

Nahtoderfahrungen beim Trampen

Wie aus dem Nichts hielt genau vor uns ein Pick-up. Auf der Beifahrertür prangerte ein Firmenlogo. Doch bevor ich mich entscheiden konnte, ob ich fragen soll, ob er uns mitnimmt, war eine andere Frau aus dem Minibus bei ihm. Sie erfuhr, dass er nach Chiquinquirá fährt und fragte, ob sie und ihre Tochter (ca. 13 Jahre alt) mitfahren könnten. Als ich mitbekam, dass er zu ihr ja sagte, sprang ich vor, um ihn ebenfalls zu fragen. Die Rückbank war groß. Auch wenn diese nur für zwei ausgelegt war, könnten vier schmale Frauen doch locker mitfahren. Nach kurzem hin- und her, nahm er uns tatsächlich alle vier mit. Die Koffer wurden kurzerhand auf die Ladefläche des Pick-ups geschmissen und los ging die Fahrt.

Die Straßen in Kolumbien sind sehr kurvig und es gibt eigentlich nur eine Spur für jede Fahrtrichtung. Das hält die Kolumbianer aber nicht davon ab, mit 130 Km/h die Straße entlangzupesen oder in Kurven zu überholen (natürlich mit einer Bekreuzigung bei erfolgreichem Erreichen des Kurvenende). Kolumbianische Autos verfügen meistens auch über keine Sitzanschnaller hinten, wie auch in diesem Falle. Daher erlebten wir unsere ersten beiden Nahtoderfahrungen bei dieser Fahrt. Aber wir haben auch super tolle Bekanntschaften gemacht. Der Fahrer und Beifahrer gehörten einer Umweltschutzorganisation an. Auch die anderen beiden Passagiere waren Einheimische und zusammen gaben sie uns Empfehlungen zu richtig schönen Orten und zeigten uns viele Fotos. Es war also eine sehr informative und lustige Fahrt, die (zum Glück) rechtzeitig und heile in Chiquinquirá ankam.

Abends allein im Dunkeln

In Chiquinquirá wurden wir am Hauptbahnhof herausgelassen. Da es mittlerweile später Nachmittag war, hatte nur noch ein Schalter auf. Nach Villa de Leyva fuhr aber kein Bus direkt (mal wieder). Sondern nur nach Sáchica. Aber dort können wir dann einen Bus nach Villa de Leyva nehmen. Der würde auch direkt kommen… aber so richtig vertrauen konnten wir dieser Aussage nach unseren bisherigen Erfahrungen eher nicht. „Wann fährt denn der Bus ab?“ fragten wir mit der bösen Vorahnung, dass wir wieder warten müssten, bis der Bus voll ist. Aber ein knappes „Jetzt“, veranlasste uns, die Karten direkt zu kaufen. Und tatsächlich. Wir hatten gerade noch Zeit einzusteigen und schon fuhr der Bus los.

Als wir in Sáchica ankamen, war es schon dunkel und der Minibus so gut wie voll. Am Eingang des Dorfes stieg eine alte Oma ein und ich bot ihr meinen Platz an. Sie war so glücklich darüber, dass sie sich mit uns näher unterhielt. Als sie erfuhr, dass wir nach Villa de Leyva weiter wollten, empfahl sie uns an einer Kreuzung kurz nach Dorfende auszusteigen und dort auf den entsprechenden Bus zu warten. Dort wären unsere Chancen wesentlich höher. Der Busfahrer wusste direkt wo er halten sollte und so stiegen wir erst nach dem Dorf Sáchica aus…an einer dunklen Kreuzung am Waldesrand. Es war schon etwas gruselig und wir hatten Angst, hier längere Zeit warten zu müssen. Doch direkt als wir uns positioniert hatten, kam ein Minibus den wir anhalten konnten. Im Inneren saßen eine Oma, ihre Tochter und drei Enkelkinder. Vorne beim Fahrer saßen zwei Männer. Wir wurden vom Bus mitgenommen und tatsächlich bis Villa de Leyva gebracht. Auf dem Weg dorthin erfuhren wir, dass er eigentlich außer Dienst war, er uns aber nicht im dunklen Wald alleine stehen lassen wollte. Damit waren wir fast schon wieder ausgesöhnt dafür, dass wir am heutigen Tage von den Busfahrern nur verarscht wurden. Kolumbianer können auch anders und zwar hilfsbereit und freundlich.

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