Monteverde

11.03.2020 – 13.03.2020 // Das nächste Ziel meiner Reise befand sich im bergigen Nordwesten Costa Ricas. Laut Reiseführer lagen noch drei interessante Orte auf dem Weg von Puerto Jiménez dorthin. Nachdem ich mich mit mehreren Touristen während meiner Reise unterhalten hatte, waren diese drei Ziele für mich jedoch nicht geeignet. Uvita ist ein kleines Dörfchen, in dem man nicht viel machen kann außer zu surfen. Da ich nicht surfe und es auch nicht lernen möchte, kann ich diesen Ort also ohne schlechtes Gewissen überspringen. Die Nationalparks Manuel Antonio und Carara sind wie der Corcovado Nationalpark Regenwälder. Von den Tieren würde ich dort keine neuen Arten sehen und vor allem der Manuel-Antonio-Nationalpark soll so überlaufen sein, dass man überhaupt nur sehr wenige Tiere zu sehen bekommt. Dazwischen gibt es noch mehrere schöne Orte, wo man wohl sehr entspannt am Strand liegen kann, doch ich war nicht nach Costa Rica gekommen um mich faul auf die Haut zu legen. Daher war mein nächstes Ziel entweder Fortuna oder Monteverde. Camille und Simon, das Schweizer Pärchen, planten ebenfalls in eines der Dörfer zu fahren. Wir entschlossen uns die weitere Reise gemeinsam zu bestreiten. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für Monteverde, da hier mehr Outdoor- und Adrenalin-Aktivitäten angeboten werden als in Fortuna, das mehr zur Entspannung einlädt.

Auf direktem Weg mit dem Auto, sind Monteverde und Puerto Jiménez etwa 394km entfernt. Mit den öffentlichen Bussen gibt es jedoch keine Direktverbindung. Man muss in San José umsteigen. Das verlängert die Reise um etwa 100km. Die Busse nach San José verlassen Puerto Jiménez um 5 Uhr morgens.

5 Uhr bis 13:30 Uhr: Bus Puerto Jimenez nach San Jose (8.265 CRC)
14:30 Uhr bis 18:15 Uhr: Bus San Jose nach Monteverde (3.060 CRC)

Nach der über 13 Stunden andauernden Fahrt von Puerto Jiménez nach Santa Elena, wo sich unser Hostel befand, informierten wir uns in unserem Hostel über die verschiedenen Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten rund um die Gemeinde Monteverde. Im bergigen Gelände, das von Quäkern 1951 besiedelt wurde, gibt es viel zu tun und zu sehen. Egal ob Adrenalin-Junkies, Naturliebhaber, Vogelbeobachter, Insektenfan oder Wanderer. Hier findet jeder etwas. Die Frage ist nur, will man das bezahlen und wenn ja wieviel?

Alle Aktivitäten sind mit einem Eintrittspreis verbunden. Kleinere Attraktionen starten etwa bei 5-15$. Wer Low-Budget unterwegs ist sollte sich im Vorfeld gut informieren – schließlich gibt es bei den Veranstaltern unterschiedliche Preise und Ausführungen. 

Nachdem der Rezeptionist alle Optionen mit uns durchgegangen war, entschieden wir uns für den Monteverde Selvatura Park (39$), der nicht nur mit einem Wanderweg auf dem Boden lockt, sondern auch mit mehreren Hängebrücken, sodass man den Nebelwald und die Tiere von oben beobachten kann. Als zweite Aktion für den nächsten Tag buchten wir eine Nachtwanderung (25$).

Selvatura Park – Hängebrücken + Kolibris

12.03.2020 // Um 8 Uhr wurden wir von einem kleinen Bus an unserem Hostel abgeholt. Nachdem wir in ganz Santa Elena Touristen aufgesammelt hatten ging es den Weg hinauf zum Selvatura Park. Der drei Kilometer lange Rundwanderweg wird immer mal wieder von einer Hängebrücke unterbrochen. Man ist somit auf der gleichen Ebene wie die Baumkronen und hat einen schönen Ausblick. Insgesamt gibt es acht Brücken in unterschiedlichen Längen und Höhen.

Mit dem Voucher/Gutschein, den wir im Hostel bekommen hatten mussten wir uns noch einmal an der Kasse anstellen, die unheimlich voll war – schließlich waren gerade alle Touristen der Stadt hierhergekommen. Nachdem ich weder in Puerto Viejo noch in Puerto Jiménez zu meinen dortigen Abenteuern) so viele Touristenmassen auf einmal gesehen hatte, war es wirklich nicht einfach keine Klaustrophobie zu entwickeln. Von jeder Seite drückten und drängelten Menschen. Da man seine Personaldaten in eine Liste eintragen musste, gab es auch nicht die Möglichkeit eine Person vorzuschicken um die Eintrittskarten zu holen.

Der Tag war zwar sonnig und nicht nebelig, richtig warm war es trotzdem nicht. Es war bestimmt 15°C bis 20°C kälter als in Puerto Jiménez. Zum Glück verteilten sich die Touristen am Anfang noch recht gut und wir standen nur bei den ersten Brücken in einer Menge zusammen. Mit Simon und Camille war ich recht flott unterwegs, sodass wir die Ü55-Gruppen, die gefühlt 80% der Touristen ausmachten, schnell hinter uns ließen und die restlichen Wege und Brücken so gut wie alleine genießen konnten. Bis auf ein paar wenige größere Vögel sahen wir jedoch keine Tiere. Leider auch nicht den Quetzal, der nur hier in Monteverde beheimatet is

Am Ende des Weges waren wir drei sehr enttäuscht von dem Selvatura Park. Ich war mittlerweile stundenlange Wanderungen mit einem Tier-Highlight nach dem anderen gewohnt. War ich gegenüber der Natur abgestumpft? Oder war es der Massentourismus, der meine Freude störte? Die hohen Bäume, das grüne Dickicht und die gut ausgebauten Wege des Selvatura Parks ließen mein Abenteuer-Herz jedenfalls nicht höherschlagen. Entsprechend schnell waren wir nach etwa einer Stunde mit dem Spaziergang am Ende.

Dann kam etwas, dass (fast) alles wieder wett machte: Kolibris. Ich bin ein überaus großer Fan von diesen kleinen Flugwundern und mein Herz machte mehrere Freudensprünge als wir in den Kolibrigarten gingen.

Am Ende (oder am Anfang) des Rundwanderweges gibt es einen Kolibrigarten. In Brusthöhe stehen Trinkquellen für die Kolibris, die das Nahrungsangebot dankbar annehmen. Das besondere Highlight: Man kann seinen Finger gegen die Trinkgefäße legen und die Kolibris nutzen dann den Finger als Sitzstange. So können sie Energie sparen, während sie sich an dem süßen Nektar bedienen.
Es dauerte nicht lange, da setzte sich der erste grün-orangene Kolibri auf meinen Finger – wie Wimpern die über die Haut streichen. Ich war absolut fasziniert. Ohne hektische Bewegungen saßen die Vögel auch mal länger auf dem Finger. Und auch wenn sie es nicht taten – sie kamen immer wieder.

Nachtwanderung

Immer noch die schimmernden Kolibris im Kopf, wurden wir um 17:45 Uhr zu unserer gebuchten Nachtwanderung abgeholt. Beim Veranstalter angelangt warteten wir mit vielen anderen Touristen darauf in Gruppen eingeteilt zu werden. Jede Gruppe hatte einen Guide und bis zu acht Touristen. Jede*r bekam eine Taschenlampe und los ging es in das angrenzende (private) Gelände des Veranstalters. Damit sich nicht alle Gruppen auf die Füße treten, ging jede Gruppe mit einem Versatz von etwa fünf Minuten los. Mit Walkie-Talkies verbunden, informierten sich die Guides gegenseitig, wo es welche Tiersichtungen gab.

Unser Guide hatte viele interessante Informationen zu den Tieren, die wir sahen und konnte uns fast jede Frage ausführlich beantworten. Um 20 Uhr war die Tour beendet und wir wurden wieder zurück ins Hostel gefahren. Wir drei waren sehr begeistert von dieser Nachtwanderung. Auch wenn immer wieder sehr viele Touristen an einem Fleck standen, hatten sich die Guides gut organisiert und wir konnten viele Tiere beobachten.

Ficusbaum – Kostenloses Adrenalin in Monteverde

13.03.2020 // Im Norden von Santa Elena gibt es wohl den bekanntesten Baum der Gegend. Es handelt sich um einen hohlen Ficusbaum, den man hinaufklettern kann. Ficusbäume wachsen um einen anderen Baum herum und „erdrosseln“ den Wirt im Laufe der Zeit bis dieser abstirbt. So ist diese „Leiter“ hinauf zu den Baumkronen entstanden.

Mit Camille zusammen ging es nach dem Frühstück los, um den außergewöhnlichen Baum zu sehen. Am Baum waren gerade zwei andere Personen dabei hochzuklettern, sodass wir etwas warten mussten. Dann waren wir dran. Der Baum hat viele Löcher an denen man sich festhalten oder einen Fuß hineinstecken kann. Dadurch kommt man ziemlich gut voran. Nach oben hin verengt sich die Öffnung – für Leute mit Klaustrophobie ist der Aufstieg wahrscheinlich eher ungeeignet.

Wer es bis ganz nach oben schafft, wird mit einem tollen Ausblick belohnt. Eine sanfte Brise wehte und kühlte mich nach dem Aufstieg. Ich befand mich auf einer Baumkrone, mitten zwischen anderen Bäumen. So einfach war ich noch nie einen so hohen Baum hinaufgeklettert – eigentlich war ich noch nie so einen großen Baum hinaufgeklettert. Ich war begeistert.

Ficusbrücke

Nachdem Camille und ich den Ficusbaum hoch und wieder runtergeklettert waren, ging Camille zurück ins Hostel, während ich mich auf die Suche nach der Ficusbrücke (Ficus La Raiz) machte. Wie der Ficusbaum, auf dem ich eben hochgeklettert war, gehörte die Ficusbrücke zu einer der wenigen kostenlosen Attraktionen in Santa Elena bzw. der Region Monteverde. Vom Norden der Stadt musste ich zunächst in den Süden und dort den richtigen „Eingang“ in den Wald hineinfinden. Doch der war so gut versteckt, dass ich Schwierigkeiten hatte. Zur Orientierung hatte ich nur den Punkt auf Google Maps, der aber wieder mal nicht den genauen Ort anzeigte. In der Nähe musste man doch irgendwie auf den Waldweg kommen…

Ich betrat einen breiteren Schotterweg, an dem eine mittelgroße Lagerhalle lag. Ich war mir fast sicher, dass der Weg falsch ist, da hörte ich Knurren und Bellen. Vor mir erschienen drei große Hunde, die nicht gerade erfreut aussahen, dass ich hier war. Sie kamen laut bellend auf mich zu und ich sah, dass sie nicht angeleint waren. Instinktiv drehte ich mich um und rannte so schnell ich konnte vom Grundstück und die Straße hinauf. Ich erwartete jeden Moment von einem Hund angefallen zu werden, doch stattdessen entfernte sich das Bellen wieder. Ein Blick über die Schulter zeigte, dass die Hunde am Ende des Grundstücks stehen geblieben waren. Das tat ich dann auch. Mein Herz schlug immer noch wie wahnsinnig. Es war keine andere Person zu sehen und auf der Straße hatte ich bisher auch noch kein Auto gesehen. Hätten die Hunde beschlossen mich als zweites Frühstück zu verspreisen, wäre es vermutlich niemandem aufgefallen. Jedenfalls nicht in dem Moment.

Die Hunde waren wohl überzeugt, mich erfolgreich vertrieben zu haben und gingen wieder zurück in den hinteren Bereich des Grundstückes, wo ich sie nicht mehr sehen konnte. Noch einen weiteren Moment abwartend ging ich dann wieder in die Richtung, auch wenn ich einen großen Bogen um das anscheinend private Grundstück machte. Beim Ablaufen des Waldrandes checkte ich noch einmal jeden Zentimeter und tatsächlich fand ich dann den „Eingang“. Gut verborgen von überwachsenden Büschen und Ästen ging ein schmaler Pfad in den Wald hinein. Glücklich folgte ich ihm und landete an einem Bach, den ich überqueren musste. Dann hatte ich die Wahl nach links oder rechts zu gehen. Google Maps brachte mich hier auch nicht weiter, sodass ich mich für den linken Weg entschied, der nach oben führte.

Etwa zwanzig Minuten später endete der Weg an einem verschlossenen Zaun mit einem Schild „Shoot first, ask later“. Dankbar für die Warnung drehte ich um und ging dann am Bach den anderen Weg entlang. Ab und zu musste ich den Bach überqueren doch er führte mich schließlich zu dem Ficusbaum, der wie eine Brücke gewachsen war.

Ich kletterte hinauf und genoss mein Mittagessen bevor ich mich wieder auf den Weg zurück ins Hostel machte. Diese Ruhe und Stille, nur unterbrochen von einzelnem Vogelgezwitscher. Viel besser als das Gedränge der Touristen am vorherigen Tag.

Am nächsten Tag würde ich mich auf den Weg nach Nicaragua machen. Es war ein langer Weg mit dem öffentlichen Nahverkehr. Bei unserem Hostelbetreiber hatte ich mich bereits über Abfahrtzeiten und -orte erkundigt. Um 5 Uhr würde es losgehen.

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