Jardin – Idyllisches Dorf in der Zona Cafetera

24.01.2020 – 27.01.2020

Mit dem Bus ging es um 11:20 Uhr von Medellín nach Jardín (29.000 COP). Während der etwa 5-stündigen Fahrt fuhren wir immer tiefer ins Innere Kolumbiens hinein: zum Kaffeedreieck (Triángulo del Café), welches seit 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Die Region, die von Einheimischen auch Eje Cafetero (Kaffeeachse) genannt wird, ist für seinen Arabica-Kaffee bekannt, der auf der ganzen Welt wegen seiner hervorragenden Qualität geschätzt wird. Die immergrüne Landschaft wird durchzogen von Kaffee- und Bananenplantagen und wie der Name Jardín (Garten) schon vermuten lässt, fühlt man sich hier wie im Garten Eden. Nadine und ich waren vom ersten Moment an begeistert.

Jardín hat rund 13.426 Einwohner und liegt in einem Tal, das von wunderschönen Kaffee- und Bananenplantagen umgeben ist. Die Basílica de la Inmaculada Concepción steht im Dorfkern und dominiert den Platz, an dem viele Cafés und Restaurants ihre Köstlichkeiten verkaufen.

Unser Bus, mit dem wir aus Medellín kamen, hielt an diesem Dorfzentrum und nach der Hektik der Stadt war es unheimlich gut, die Menschen so entspannt zu sehen. Die bunten Tische und Stühle vor den Lokalen waren schon gut besetzt mit Menschen, die ihr Feierabendbier genossen, aßen oder einfach nur andere beobachteten. Ich fühlte mich sofort super wohl hier. Doch bevor wir uns Jardín näher anschauen konnten, wollten wir noch unser Gepäck los werden.

Mit Unser Hostel Rincon de Paz (nicht zu empfehlen) war etwas außerhalb und wir mussten entweder ein Tucktuck nehmen oder mit dem Bus fahren. Da wir nicht lange auf den Bus warten mussten, entschieden wir uns dafür.

Mit Im Hostel war die Nachbarin noch dabei die Betten herzurichten, was aber nicht weiter schlimm war. Das Hostel war ein altes alleinstehendes Haus mit zwei Ebenen. Im Erdgeschoss befanden sich die Küche, ein kleiner Essbereich, ein Schlafzimmer und ein Bad. Oben waren neben einer größeren Diele zwei Schlafzimmer, ein Bad und ein Balkon mit Sitzmöglichkeiten.

Mit Wir wollten schnell wieder los und legten daher nur unser Gepäck ab, bevor wir wieder nach draußen gingen um den Bus zurück in die Stadt nehmen.
Im Dorf angekommen, ließen wir uns noch ein bisschen ums Karree treiben, bestaunten die Häuser und Menschen und aßen dann ein sehr leckeres Abendessen in einem Restaurant am Hauptplatz.

Cueva del Esplendor 

25.01.2020

Mit dem Tucktuck-Fahrer, der uns gestern Abend zum Hostel gefahren hatte, waren wir um 10 Uhr am Dorfplatz verabredet, um zur Cueva del Esplendor zu fahren. Man konnte zwar auch eine gebuchte Tour zur Höhle unternehmen, doch wir wollten ein bisschen länger wandern und der Tucktuck-Fahrer kannte einen guten Ausgangspunkt für die Wanderung.

Von unserem Hostel wollten wir um 9 Uhr mit dem Bus ins Dorf runterfahren. Um kurz vor 9 waren wir an der Bushaltestelle, doch der Bus kam und kam nicht. Wir warteten insgesamt 20 Minuten, doch der Bus blieb aus und der nächste war erst für kurz vor 10 angesagt. Dann wären wir nicht pünktlich bei unserem Tucktuck und müssten wieder mit einem anderen verhandeln. Vor allem wussten wir auch nicht genau, wo der Startpunkt der Wanderung war. Also nahmen wir ein vorbeifahrendes Tucktuck und fuhren damit zum Dorfplatz (5.000 COP), wo wir in unser reserviertes Tucktuck umstiegen.

Auf unbefestigten kleinen Wegen fuhren wir etwa 10 KM in Richtung der Höhle (20.000 COP) und hatten damit noch ca. 4 KM zur Höhle zu laufen. Mit unserem Fahrer vereinbarten wir, dass wir ihn etwa eine halbe Stunde vor Rückfahrt anrufen würden.

Die Wanderung zur Cueva del Esplendor war anspruchsvoll, aber nicht zu schwer. Und die Landschaft war der Hammer. Wir waren den ganzen Weg über alleine unterwegs. 

Die Höhle kann man nur mit einem Führer besuchen. Die Tour kostet 20.000 COP.

Der Weg zur Höhle führt durch den dichten Dschungel recht steil bergab. Trotzdem war der Weg ganz gut zu laufen, da ein Seil befestigt war und meistens auch Holzstufen oder andere Arten von Stufen vorzufinden waren. Körperlich unfitte Menschen sollten die Höhle vielleicht jedoch nicht besuchen. Wir verbrachten etwa eine halbe Stunde bei der Höhle, bevor wir wieder zurück zur Station liefen. 

Da Nadine und ich noch 4 km zurück zum Tucktuck laufen mussten, machten wir nur eine kurze Pause und liefen dann zurück zum Treffpunkt. Wir fuhren einen anderen Weg runter, als wir hochgefahren waren: durch Bananenplantagen mit mehr befestigten Strecken. Denn die Schotterpisten hätte das Tucktuck wohl nicht unbeschädigt runterfahren können.

In Jardín angekommen, kauften wir für unsere Weiterfahrt nach Salento die Bustickets nach Riosucio (20.000 COP). Dort konnten wir dann die Weiterfahrt nach Salento organisieren.

Nachdem das wichtigste für unser Weiterkommen geregelt war, bummelten wir noch durch Jardín und kamen an einem Veranstalter für Abenteueraktivitäten vorbei: „Jardín Eco-Tours“. Wir konnten beide nicht widerstehen und gingen rein, um zu sehen, welche Abenteuer wir in Jardín erleben konnten. Und tatsächlich fanden wir etwas, was morgen stattfinden würde. Wir buchten jeweils einen Tandem Paraglide über Jardín für morgen Nachmittag (110.000 COP).

Als wir das Office verließen, waren wir beide total glücklich und voller Vorfreude. Doch bis 14 Uhr war eine lange Zeit. Was konnten wir am Vormittag noch machen? Wir blätterten durch unseren Reiseführer und entdeckten, dass es hier mehrere geführte Reittouren durch die Natur gab. Wir entschieden uns für Bernado Lopez und riefen dort an, um für den nächsten Vormittag eine Tour zu buchen.

Zufrieden mit unseren morgigen Touren, machten wir uns auf, um Jardín noch weiter zu erkunden.

Misshandelte Pferde und Jardín von oben

26.01.2020

Um 9 Uhr sollte die Pferdetour starten, also waren wir um etwa 8:50 Uhr beim Startpunkt. Es waren bereits mehrere Pferde gesattelt und warteten darauf, dass der Rest der Gruppe kommen würde. Von der Frau erfuhren wir, dass noch vier andere Personen dazustoßen würden. Also warteten wir mal wieder.

Doch dadurch hatten wir  Zeit, uns die Pferde genauer anzusehen. Und was wir zu sehen bekamen, war grauenhaft. Die Pferde waren halb verhungert, seit längerem nicht mehr geputzt worden und hatten sogar offene Wunden, in denen bereits die Fliegen Eier gelegt hatten. Wir waren wirklich schockiert und sprachen die Frau darauf an, doch ihre schlechten Ausreden erschütterten uns noch mehr. Nadine und ich waren uns sofort einig, dass wir hier nicht reiten würden. Zum Glück hatten wir noch kein Geld bezahlt und konnten so einfach gehen. Auf unserem Rückweg kamen dann auch die fehlenden vier Personen gerade an. Alle sahen älter aus als 65 Jahre und nicht so, als könnten sie sich alleine auf einem Pferderücken halten. Nun waren wir doppelt froh, dass wir nicht mitritten.

Doch was sollten wir jetzt noch bis 14 Uhr machen?

Ein kurzer Blick auf Google Maps zeigte uns, dass von hier eine Wanderung zu den Cascadas del Amore und Tunel Jardin de Rocas möglich war. Das würde von der Zeit her reichen, um pünktlich zum Paragliden zurück zu sein.

Da der Weg nah an der Stadt und auch nicht so lang war, waren wir hier nicht so alleine, wie wir es gewohnt waren von unseren bisherigen Wanderungen. Trotzdem war es eine sehr schöne Wanderung. 

Nach etwa zwei Stunden waren wir wieder zurück in Jardín und konnten in Ruhe Mittagessen, bevor wir zum Paragliden gehen mussten.

Pünktlich um 14 Uhr fanden wir uns bei Eco-Tours ein und mit 5 anderen Personen fuhren wir in einem Willys-Jeep zum Ausgangspunkt unserer Flugreise. Doch erst mussten wir noch im Office der Paraglider halten und dort den obligatorischen Papierkram erfüllen. Nicht nur mit unserer vollständigen Adresse, der Passnummer und unserer Unterschrift mussten wir die Verzichtserklärung bestätigen, sondern auch noch mit unserem Fingerabdruck. Als Europäerin, die viel mit der DSGVO zu tun hatte auf der Arbeit, war ich natürlich skeptisch und fragte, warum der Fingerabdruck benötigt wurde, doch bekam darauf keine richtige Antwort. Aber es war ein Muss, sonst hätte ich nicht fliegen dürfen. „Und wo wird das gespeichert?“, fragte ich weiter und wurde nur entnervt von der Sekretärin angeschaut.
„Wir speichern das nicht. Wir legen das Papier hier auf den Stapel und irgendwann, wenn der Stapel zu hoch wird, dann schmeißen wir das weg.“
Diese Antwort beruhigte mein Datenschutz-Ich in keinster Weise und ich belehrte die Dame in einigen Sätzen über die DSGVO, persönliche Daten und wie diese missbraucht werden können, wenn kein Schutz gegeben ist. Doch die Frau sah mich gelangweilt und kaugummikauend an, verlangte noch einmal meinen Fingerabdruck und da ich den Sprung machen wollte, blieb mir keine andere Wahl.

Nachdem alle Formalitäten geklärt waren und jeder nun meine Identität inklusive Fingerabdruck stehlen konnte, ging es im Willys-Jeep los. Wieder waren es schmale Spuren im Dschungel, die kaum als Fahrbar betitelt werden konnten, die wir entlangfuhren. Doch der Willys, der hier in den Anden als Packesel, Personentransporter und vieles mehr verwendet wird, kämpfte sich wacker seinen Weg durch den Schlamm, Bodenlöcher und andere Hindernisse. Der „Laderaum“, in dem wir saßen, hatte zwei Bänke an den Außenseiten des Jeeps. Dichtgedrängt neben den anderen saßen wir hier und freuten uns auf den Sprung.

Auch wenn ich mich auf den Sprung freute, war ich doch etwas skeptisch. Denn in Ecuador war ich bereits Paragliden gewesen und es hatte mich nicht so überzeugt. Damals waren wir von einer Klippe aufs Meer gesprungen und dann 20 Minuten über dem Meer geflogen. Es war zwar eine nette Aussicht gewesen, hatte mich aber nicht wirklich gefesselt.

Der Willys verließ den dichten Dschungel und wir befanden uns auf einer grasigen Anhöhe mit Blick auf Jardín, welches von den umliegenden Bergen eingerahmt wurde. Ein grandioser Ausblick. Das Wetter war etwas wolkig, doch schien es noch gut genug für einen Sprung zu sein.

Unsere Tandempiloten bereiteten sofort die Gleitschirme vor und schon steckten wir in den recht bequemen Gurtzeugen. Nadine war zuerst dran und danach kam ich.

So schnell ich konnte, sollte ich nach vorne zur Klippe rennen. Nach etwa zwei Schritten blähte sich der Gleitschirm auf und ich musste mich echt ins Zeug legen, um noch ein paar Schritte zu rennen, doch dann hoben wir bereits ab und flogen über Bäume und Hügel. Es war so viel besser als in Ecuador.

Der Wind ließ uns hoch in die Lüfte gleiten und wir hatten einen perfekten Ausblick auf die Stadt. Ich fühlte mich so frei! Es war faszinierend. Die Bäume waren direkt unter uns und mein Tandempilot steuerte immer mal wieder über die Baumkronen oder Richtung Stadt.

Ich hätte ewig fliegen können, doch irgendwann mussten wir wieder auf den Boden zurückkehren. Das war für mich der beängstigendste Moment während unserer „Flugreise“. Der Boden kam immer schneller auf uns zu, doch kurz bevor wir landeten, zog mein Tandempilot noch an den Seilen und sanft landeten wir auf dem Boden und rutschten nur ein paar Meter weit, bevor wir zum Stehen kamen. Mein Körper war vollgepumpt mit Adrenalin. Ich fühlte mich großartig.

Nadine landete kurz nach uns und dann war der ganze Zauber auch schon vorbei. Das Gurtzeug wurde uns ausgezogen und wir liefen die paar Meter zurück zum Paragliding-Office. 

Wir waren so aufgeputscht, dass wir noch ein paar Runden durch die Stadt zogen und eine lustige Beobachtung machten.

In Jardín und der ganzen Zona Cafetera gibt es viele Paso Finos. Das ist eine spezielle Pferderasse, die einen ganz speziellen Gang erlernen kann, den Paso. Immer wieder kann man Reiter in den Straßen von Jardín beobachten, die im Paso vorbei flanieren und stolz das Können ihrer Tiere zeigen. Abends haben viele dieser Reiter spezielle Trachtenkleidung an und es ist wirklich ein Vergnügen zuzusehen, wie die geschmückten Pferde mit ihren aufgeputzten Reitern stolz die Straßen hoch und runter stolzieren.

Doch an diesem Nachmittag war der Besitzer des Pferdes wohl nicht so erpicht darauf zu reiten, denn er führte sein Pferd kurzerhand mit dem Roller spazieren. 

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