Probleme in Puerto Jiménez

08.03.2020

Nach einem zeitigen Frühstück machte ich mich auf, um die Touristikbüros in Puerto Jiménez abzuklappern. Der Plan war, spätestens morgen zu einer 2- oder 3-tägigen Tour durch den Corcovado Nationalpark aufzubrechen und dann Puerto Jiménez zu verlassen. Womit ich nicht gerechnet hatte war eine ausgestorbene Stadt. Nichts war geöffnet, außer des Supermarktes. Ein Blick auf den Kalender zeigte mir, dass es Sonntag war. Bisher hatte ich noch keine Probleme mit geschlossenen Büros oder Geschäften gehabt, doch Puerto Jiménez schien es mit dem Ruhetag ernster zu nehmen.

Jedes Touristikbüro war geschlossen. Somit konnte ich auch keine Tour durch den Nationalpark buchen. Das bedeutete, dass ich morgen auch nicht auf eine Tour gehen würde und somit noch ein paar Tage länger in Puerto Jiménez verweilen musste. In meinem aktuellen Hostel gab es keine Küche, sodass ich immer auswärts essen musste. Bei drei Mahlzeiten am Tag war das auf Dauer zu teuer. Kurzerhand griff ich nach meinem Handy und suchte ein Hostel in der Nähe, welches über eine Küche verfügte. Bei einem Telefonat überzeugte ich mich nicht nur über freie Kapazitäten, sondern handelte auch noch einen Rabatt aus, da ich nicht über eine dritte Buchungswebseite reserviert hatte.

Zum Glück hatte ich in meinem jetzigen Hostel nur eine Übernachtung gebucht, schnappte mir mein Gepäck und ging. Mit meinem großen Backpack auf dem Rücken, dem Tagesrucksack auf der Brust, einer Tüte in der linken und meinen Wanderschuhen in der rechten Hand lief ich die achthundert Meter zu meinem neuen Hostel. Nachdem ich von der Hauptstraße abbog befand ich mich auf einer staubigen Schotterstraße. Staubig… ein Wort, dass Puerto Jiménez im Allgemeinen sehr gut beschreibt. Nur die Hauptstraße und ein paar wenige andere Straßen sind geteert. Der Rest besteht aus Staub und kleinen bis mittelgroßen Steinen. Daher ist auch alles von einer Staubschicht bedeckt, genauso wie ich, nachdem ein paar Autos an mir vorbeifuhren.

Laut Onlinekarte hätte ich schon direkt am Hostel sein müssen, doch außer hohen Hecken konnte ich kein Schild oder desgleichen entdecken, was mir signalisierte, dass ich mein Ziel erreicht hatte. Suchend blickte ich mich um und stolperte über einen größeren Stein. Zum Straucheln kam ich gar nicht erst. Mein 15-Kilo-Backpack schob mich gnadenlos der Erde entgegen. Da beide Hände voll waren und ich schneller zu Boden fiel als ich mich mit den Händen abstützen konnte, war nur noch mein Gesicht da, um den Sturz abzufangen. Instinktiv wendete ich es noch nach rechts und hatte auch noch den kleinen Rucksack auf der Brust, der ebenfalls etwas bremste, bevor ich mit dem Gesicht aufschlug.

Geschockt von der Grausamkeit der Anziehungskraft lag ich heftig atmend auf dem Boden. Immer noch drückte mich das Gewicht meines ganzen Hab und Guts auf die Erde und ich konnte mich erstmal nicht bewegen.
„Kann ich dir helfen?“, kam plötzlich eine Männerstimme aus dem Off. Ich versuchte hochzuschauen, um zu sehen wer dastand, doch aus meinem Blickwinkel war das nicht so einfach. Ich nickte also nur und sanft zog er mich an meinem Rucksack nach oben. Vor mir stand ein Tico (so werden Costa-Ricaner*innen genannt), der etwa einen Kopf größer und ein paar Jahre älter war als ich.
„Du blutest“, stellte er nüchtern fest, nachdem er mich von oben bis unten gemustert hatte.
„Fühlt sich auch so an“, gab ich zurück und versuchte zu lächeln. Der Tico stellte sich als Christian vor und bot mir an, mich in seinem Hostel zu verarzten.
„Ich bin gerade auf dem Weg zu einem Hostel, dem Corcovado Wild Hostal“, erzählte ich und folge ihm in die Einfahrt.
„Dann hast du Glück. Ich bin der Besitzer vom Corcovado Wild Hostal. Bist du Carina? Wir hatten eben telefoniert, kann das sein?“ Ich bestätigte und mir wurde leichter ums Herz. Ich musste also nicht mehr los, sondern konnte ein wenig meine Wunden lecken.

Die Gefahr aus dem Meer

Das aufgeschürfte Knie und die kleine Wunde an der Stirn waren schnell behandelt und Chris bot mir an, ihn auf seinen Ausflug zum Galan-Beach zu begleiten. Die nächsten Gäste würden erst am Abend eintreffen, sodass wir ein paar Stunden hätten, um die Sonne zu genießen.
Keine fünf Minuten später saßen wir auf seinem Motorrad und fuhren die Schotterstraße nach Süden. Ab und zu stoppte er, um mir die heimischen Tiere zu zeigen.

Irgendwann bogen wir auf eine sandige Seitenstraße ab und erreichten kurz darauf unser Ziel. Unter schattenspenden Mandelbäumen stand ein runder Steintisch mit Steinbänken, dahinter war der Blick frei aufs Meer. Chris hängte seine Hängematte zwischen zwei Bäumen auf und wir ließen die Seele baumeln.

Langsam wurde mir warm und ich beschloss ins Wasser zu gehen. Ich fragte Chris, ob er mitkommen wolle, doch er schüttelte nur den Kopf und meinte, dass er nie ins Meer gehen würde. Als Teenager war er mit Freunden surfen gewesen und während er auf dem Surfbrett liegend paddelte wurde er von einem Hai angegriffen. Fast hätte er den Arm und auch sein Leben verloren, da sie noch mit dem Auto zwei oder drei Stunden zum nächsten Krankenhaus fahren mussten. Doch die Ärzte konnten seinen Arm retten. Daraufhin war er mehrere Jahre nicht mehr ins Meer gegangen, bis ihn Freunde überredeten. Er war kaum bis ins hüfthohe Wasser vorgedrungen, als er von einem Stachelrochen in den rechten Fuß gestochen wurde. Wieder war ein Krankenhausaufenthalt notwendig und ihm die Erkenntnis gekommen, dass er dem Meer lieber fernbleiben sollte.

Ich versuchte ihm gut zuzureden. Wie wahrscheinlich war es schon, dass ausgerechnet hier und jetzt ein weiterer Mordversuch vom Meer ausgehen würde? Es bestand aber auch keine Not daran ihn zu irgendetwas zu zwingen, weshalb ich alleine ins doch etwas kalte Wasser ging. Kaum war ich bis zu den Knien im Wasser, schrie Chris hinter mir, dass ich sofort aus dem Wasser kommen solle. Ich watete zurück und fragte, was los sei, doch er deutete nur auf das Wasser. Zunächst sah ich nur die Wellen, die mal höher, mal kleiner ans Ufer brandeten und weiße Schaumkronen trugen. Dann richtete sich mein Blick auf einen langen dunklen Schatten – ein etwa 2 Meter großes Krokodil. Im Maul hatte es einen weißen Vogel.

Ungläubig sah ich von Chris zum Krokodil, vielleicht war er wirklich ein Magnet für tödliche Attacken aus dem Wasser. Auch wenn das Krokodil an uns vorbeischwamm, hielt ich es für den Rest des Nachmittags besser, an Land zu bleiben.

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