Von Cartagena über Necoclí nach Capurgana

15.01. – 20.01.2020 – Teil 1

Von Cartagena nach Necoclí

15.01.2020

Für uns geht es heute wieder einmal sehr früh los. Um 7 Uhr fährt der Bus vom Busbahnhof Cartagena nach Montería. Dort müssen wir umsteigen.

In unserem Hostel „San Jacinto“ in Cartagena ist der alte Onkel der Besitzerin so etwas wie der Portier und Sicherheitsmann. Jede Nacht schläft er in einem Sessel und ist sofort wach und da, wenn man etwas braucht. Auch an diesem Morgen wurde er wach und als wir fragen, zu welcher Straße wir am besten für ein Taxi laufen sollen, bietet er uns an, eins zu besorgen und ist eher aus der Tür raus, als dass wir etwas erwidern können.
Wir holen unsere Rucksäcke und kurze Zeit später ist der Onkel wieder da – mit Taxi. Für 6.000 Pesos werden wir um 6 Uhr morgens zum Busbahnhof gefahren. Wir sind mal wieder viel zu früh dran, vor allem, da der Bus von Cartagena nach Montería (60.000 Pesos) dann tatsächlich erst um 7:25 Uhr losfährt. Einen Teil der Strecke fahren wir an der Küste entlang, der Großteil der Strecke verläuft jedoch inländisch.

Gegen 10 Uhr werden wir von Polizisten bei einer Zoll- oder Polizeistation angehalten und das Gepäck wird durchsucht und kontrolliert. Nach etwa 15 Minuten beginnen die ersten Passagiere unruhig zu werden und vereinzelt gehen wir raus in den Sonnenschein, um zu überprüfen, was los ist.
Die mit Pistolen und Maschinengewehren ausgestatteten Polizisten überprüfen vor allem das Gepäck eines Passagiers. Es handelt sich dabei um Kartons voller Markenartikel, die aber wahrscheinlich gefälscht sind. Die Busfahrer stehen ebenfalls bei der Polizei und dem Passagier, dem die Kartons voller Schuhe und anderer Kleidungsstücke gehören. Nachdem etwa 45 Minuten verstrichen sind, ohne dass sich an der Situation etwas geändert hat, werden Nadine und ich nervös, schließlich müssen wir in Montería noch einen Anschlussbus nach Necoclí erwischen. Die Busfahrer wollen wohl unbedingt auf den Passagier warten, was für die Restlichen von uns nicht ganz nachvollziehbar ist. Nachdem sich mehrere Passagiere bei den Busfahrern beschweren, geht es dann nach etwas mehr als einer Stunde weiter – ohne den Markenpiraterie-Passagier.

Wir müssen uns immer noch um die Bootsüberfahrt von Necoclí nach Capurgana kümmern und bekommen über die Facebook-Seite der Bootsgesellschaft El Caribe S.A.S. eine Telefonnummer, über die wir zwei Tickets für den morgigen Tag um 8 Uhr reservieren.

Der Rest der Fahrt verläuft reibungslos und so kommen wir um 13:45 Uhr in Montería an, etwa 1,5 Stunden später, als geplant. Wir haben jedoch mal wieder Glück mit unserem Anschluss und erwischen den nächsten Bus von Montería nach Necoclí, (35.000 Pesos) der um 14:09 Uhr losfährt und um 16:45 Uhr in Necoclí ankommt.

Unsere Unterkunft „Hostal La Mariápolis“ befindet sich etwa 10 Minuten Fußweg vom Busbahnhof entfernt und da wir den ganzen Tag im Bus saßen, entscheiden wir uns, zu Fuß zu gehen. Das Hostal liegt direkt am Wasser und nachdem wir unsere Rucksäcke im einfach ausgestatteten 6-Bett-Zimmer verstaut haben, geht es zum hauseigenen Terrassenabschnitt am Meer. Glücklich, weil mit der Weiterfahrt nach Capurgana alles geregelt war, springen wir ins Wasser. Aber es herrscht gerade Flut und so werden wir mehr durch die Gegend geschleudert als uns lieb ist, weshalb wir schnell wieder an Land klettern und uns den wunderschönen Sonnenuntergang von der Hängematte aus ansehen.

Von Necoclí nach Capurgana

16.01.2020

Unser Boot von Necoclí nach Capurgana soll um 8 Uhr ablegen. Unser Kontakt meint aber, wir sollen schon um 7:30 Uhr da sein. Den Schlaf noch in den Knochen und eine bereits stärker werdende Hitze veranlasste uns, für 1.000 Pesos ein Tuck Tuck zu nehmen und so sind wir um 7:15 Uhr an der Anlegestelle von El Caribe S.A.S.

Wir trauen kaum unseren Augen, als wir die vielen Touristen sehen, die bereits am Hafen stehen und mehrere riesige Schlangen bilden. Es herrscht immer noch Ferienzeit in Kolumbien und es ist Donnerstag, also genau richtig für ein langes Wochenende. Kein Wunder also, dass sich hier gefühlt halb Kolumbien die Beine in den Bauch steht.

 

Da wir noch genug Zeit und zusätzlich eine Reservierung haben, stellen wir uns ohne große Besorgnis an der Schlange an, die für die Personen mit Reservierungen ist, und beobachten ein wenig die anderen Leute.
Jeder versucht im Schatten zu stehen, denn obwohl es noch so früh am Morgen ist, brennt die Sonne bereits gnadenlos auf uns herunter. Im Gespräch mit anderen Wartenden erfahren wir, dass unsere Rucksäcke während der Fahrt auf dem Deck des Bootes transportiert werden und es dort ziemlich nass werden kann. Deshalb wird uns empfohlen, unsere Rucksäcke in einen Müllbeutel zu stecken und so zu schützen. Zum Glück verkauft eine Frau große Müllsäcke und wir können uns jeweils einen für 1.000 Pesos holen.

In der Schlange geht es nur mühsam voran und immer wieder kommen neue Touristen, die sich hintenanstellen. Es ist etwa 8 Uhr morgens und anscheinend ist das für viele Kolumbianer*innen die richtige Zeit für Alkohol. Wir sehen immer mehr Menschen mit einem Bier in der Hand und eine größere Gruppe von etwa zehn Jugendlichen ist bereits ziemlich betrunken.

Wir sind mittlerweile schon recht nervös, weil wir dachten, es gibt nur dieses eine Boot von Necoclí nach Capurgana und müssen gegebenenfalls noch eine Nacht hier verbringen. Doch endlich sind wir am Schalter und auf unsere ängstliche Nachfrage hin wird uns mitgeteilt, dass insgesamt 4 Boote nach Capurgana fahren. Wir werden dem dritten Boot zugeteilt und bezahlen für die Hin- und Rückfahrt 150.000 Pesos sowie noch einmal 1.000 Pesos Hafengebühr.

Nun dürfen wir uns an der Schlange für die Gepäckaufgabe anstellen und als wir an der Reihe sind, müssen wir Übergepäck bezahlen, pro Kilo 1.000 Pesos. Bisher musste noch kein Passagier Übergepäck bezahlen und wir hatten einige riesige Koffer gesehen. Auch nach uns werden nur die Koffer und Rucksäcke gewogen, die zu Ausländern gehören. Das Gepäck bekommt per Aufkleber eine Nummer, die man selber ebenfalls bekommt. Mit dieser Nummer muss man später in Capurgana das Gepäck wieder abholen.

Gegen 8:40 Uhr wird unser Boot aufgerufen und wir dürfen endlich einsteigen. Bis alle Passagiere an Bord sind und die turbulente Fahrt beginnen kann, ist es etwa 9 Uhr. In unserem Reiseführer steht, dass die See zwischen Januar und März unruhig ist. Aber wie wild kann das schon werden? Fragen wir uns und denken uns nichts weiter dabei. Das Speedboot ist mit vier Hochleistungsmotoren von Yamaha ausgestattet und mit höchster Geschwindigkeit geht es direkt los.

Fliegend brechen wir über die Wellen, die zwischen zwei und drei Metern hoch sind. Nach jeder Welle landen wir immer wieder hart auf dem Wasser auf. Es fühlt sich wie eine Mischung aus Achterbahnfahrt und Wilde Maus an und jedes Mal, wenn das Boot krachend auf der Wasseroberfläche landet, denke ich, dass der Rumpf gespalten ist und wir ertrinken werden. Ich denke ständig an den Reiseführer und seine Warnung, doch unruhig will mir bei diesen Wellenverhältnissen nicht einfallen, nur wild und besorgniserregend. 

Um 10:30 Uhr erreichen wir Capurgana. Ich löse meine vom Festhalten verkrampften Hände und bleibe beim Aussteigen so blöd mit meinem Bein am Boot hängen, dass ich mir die gerade verheilte Brandwunde meines „Motorradunfalls“ komplett aufreiße. Es sieht sogar noch schlimmer aus als beim ersten Mal. Das Blut fließt an der Außenseite meiner Wade entlang und es brennt höllisch. Zum Glück habe ich ein großes Pflaster griffbereit, mit dem ich die Wunde fürs Erste grob versorgen kann.

Bei der Anlegestelle wartet eine Frau, die uns zu unserer Unterkunft „Cabañas los Almendros“ begleitet. Bei der Gepäckausgabe herrscht ein reges Drängeln und Schubsen. Ein Mitarbeiter der Werft liest die Zahl auf den Koffern vor und nacheinander holen die Besitzer diese dann ab. Nadines Rucksack ist ziemlich am Anfang dran, doch meiner gehört mit zu den letzten und als wir bei unserer Begleitfrau zur Anlegestelle kommen, laufen wir direkt los. Das Hostel ist nur etwa zehn Minuten vom Fähranleger entfernt. Wir werden von einer grimmigen Französin begrüßt, die mit uns den Check-In durchführt. Im späteren Verlauf unseres Aufenthaltes erfahren wir, dass sie dieses Hostel zusammen mit ihrem kolumbianischen Mann führt, der meistens aber nur für das Frühstück zuständig ist.

Beim Check-In müssen wir nicht nur komplett unsere persönlichen Daten abgeben, sondern auch die Namen und Berufe unserer Eltern. Es wundert mich, dass wir unsere Fingerabdrücke nicht hinterlegen müssen. Bisher wurden beim Check-In noch nie so ausführliche Informationen benötigt. Auf Nachfrage, warum hier so viele Informationen von uns benötigt werden, erklärt sie uns, dass Capurgana aufgrund seiner Nähe zu Panama häufig als Drogenumschlagsplatz verwendet wird und deshalb die Polizei sehr genau die Bücher der Hostels und Hotels prüft – vor allem bei ausländischen Besitzern.

Nach dem detailliertesten Check-In Kolumbien, werden wir zu unserer Cabaña geführt, die aus einem Schlafzimmer und einem Bad besteht. Im Schlafzimmer steht ein Queensize-Bett mit Moskitoschutz und ein Einzelbett ohne Moskitoschutz. Wir rätseln, ob ein Moskitonetz benötigt werden würde oder nicht. Doch als wir ins Bad gehen ist klar, dass wir nicht nur ein Moskitonetz über dem zweiten Bett brauchen, sondern auch eins über der Toilette. Denn im Bad herrscht die reinste Moskitoparty! Noch nie habe ich so viele große und kleine Moskitos auf einmal gesehen. Nach dem anfänglichen Schock schließen wir die Badtür schnell wieder und sagen der Französin, dass wir für das zweite Bett ebenfalls ein Moskitonetz benötigen. 

Wir lassen uns nicht in die Irre führen – oder?

Der Hauptgrund unserer Reise nach Capurgana ist das Tauchen. Seit wir an der Küste sind, wollten wir schon öfter tauchen gehen. Doch immer wieder wurde uns berichtet, dass die Tauchspots nicht schön sind und da in unserem Reiseführer Capurgana als schönster Von-Land-Tauchspot Kolumbiens angepriesen wird, wollten wir nun in Capurgana drei oder vier Tage tauchen gehen.

Im Internet und in unserem Reiseführer haben wir uns über die verschiedenen Tauchschulen informiert und uns für Padi Dive and Green entschieden. Der Tag ist noch jung, weswegen wir zur Tauchschule gehen und unsere Tauchgänge für die nächsten Tage buchen. Mit angeschaltetem GPS und der Route in Google Maps vorbereitet, ziehen wir los. In Google Maps wird die Tauchschule etwa 20 Minuten außerhalb des Dorfkerns angezeigt. Wir wundern uns zwar, doch Google Maps sagt, dass es so ist und bisher hat uns Google Maps nicht enttäuscht. Also folgen wir der Route.

Da Capurgana sehr klein ist, gibt es hier keine Autos. Manche Einheimischen haben Mopeds oder Motorräder. Aber eigentlich gibt es hier mehr Pferde und Kutschen für den Transport. Nachdem wir so lange jetzt in Städten unterwegs waren, wo man ständig dem Autolärm und den dazugehörigen Abgasen (natürlich ohne CAT oder andere Filter) ausgesetzt war, ist es total angenehm und befreiend auf der Straße tief durchzuatmen.

Am Marktplatz entlang, geht es für uns auf der einzigen Schotterstraße erstmal raus aus dem Dorfinneren und hinein in den Dschungel. Ab und zu fährt eine Kutsche an uns vorbei und die Insassen beäugen uns neugierig, ansonsten begegnen wir niemandem. Nach etwa zehn Minuten beschleichen uns die ersten Zweifel, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Doch wir halten an Google Maps fest. Es kann ja nicht sein, dass sich Google Maps so sehr irrt? 

Als nach weiteren fünf Minuten ein größerer Fluss unseren Weg kreuzt, werden wir noch skeptischer. Zum Glück sind ein paar Menschen am und im Fluss und ich frage einen Mann, ob er weiß, in welche Richtung die Tauchschule liegt. Er nickt heftig und meint, dass wir den Fluss überqueren müssen und uns dann rechts halten sollen. Die GPS-Koordinaten sagen in etwa das Gleiche und so machen wir unsere Füße nass und laufen weiter, doch der Zweifel bleibt.

Am Anfang des Waldweges gab es immer wieder Hintereingänge zu Hostels, doch nun sind wir alleine und um uns herum sind nur hohe Bäume und dichtes Gestrüpp. Es ist heiß und wir beide sind der Meinung, dass Google Maps uns in die Irre geführt hat. Denn wir kommen einfach nicht zu den angezeigten Koordinaten, die irgendwo links von uns im Busch liegen. Kurz bevor wir uns dazu entschließen umzudrehen, erscheint ein kleiner Weg und da dieser in die Richtung der Koordinaten führt, starten wir einen letzten Versuch.
Der Weg endet an der Rückseite von zwei Häusern, deren Grundstück mit Stacheldrahtzaun abgegrenzt ist. Google Maps signalisiert uns, dass eines dieser Häuser die Tauchschule sein muss und ungeachtet möglicher strafrechtlicher Verfolgungen, überwinden wir den Stacheldraht und laufen zur Vorderseite.

Das erste Haus scheint verlassen. Einige der hölzernen Fensterläden hängen traurig in ihren Angeln. Wir laufen zum zweiten Haus rüber und dort, am Pool, sitzen tatsächlich zwei Menschen, ein Mann und eine Frau. Wir sind überglücklich. Endlich haben wir es gefunden!
Die zwei schauen uns fragend an und als wir näherkommen, fragen wir, ob das die Tauchschule sei. Die Blicke zeigen Verwirrung und verwundert wird uns erklärt, dass das ein Hostel sei und die Tauchschulen alle im Dorfinneren zu finden wären.

Schwitzend und enttäuscht laufen wir zurück zur Straße, von der wir gekommen sind. Ein paar Hühner flattern aufgeregt davon, als wir ihnen zu nah kommen, während das weiße Pferd ungetrübt weiter grast.

Wir brauchen etwa 30 Minuten zurück und beschließen, die Suche noch nicht aufzugeben. Irgendwo muss die Tauchschule ja sein. Wir gehen zurück zu unserem Hostel und fragen unsere grimmige Französin nach dem Weg. Frisch motiviert machen wir uns erneut auf den Weg, aber nach kurzer Zeit verlieren wir wieder den Faden. Wo geht es jetzt nochmal lang? Wir finden uns auf dem Marktplatz wieder, von dem überall Wege abzweigen. Auf gut Glück nehmen wir einen Weg und irren noch ein wenig durch Capurgana. Verzweifelt darüber, wie man in einem so kleinen Dörfchen diese Tauchbasis nicht finden kann, geben wir auf und wollen zum Strand gehen. Wir biegen also in eine kleine Gasse ab und machen uns auf Richtung Meer. Und kurze Zeit später laufen wir doch tatsächlich bei PADI Dive & Green vorbei – endlich! Wer nicht suchet, der findet 😊

 

Der Traum vom Tauchen in Capurgana

Wir werden von einer Mitarbeiterin herzlich empfangen und zum Manager gebracht, der mit uns die verschiedenen Möglichkeiten durchgeht. Wir beschließen, die nächsten drei Tage jeweils vormittags und nachmittags tauchen zu gehen und ich lasse mir noch einen Nachttauchgang offen, wofür aber noch zwei weitere Taucher benötigt werden.

„Das Meer ist ziemlich wild im Moment und die Tauchbedingungen schlecht“, werden wir gewarnt, „Wir waren seit drei Tagen nicht mehr tauchen, hoffen aber, dass es morgen besser wird. Leider kann man hier auch erst am Tag selber sehen, ob die Bedingungen gut sind.“ Das sind natürlich erstmal keine guten Voraussetzungen, aber Nadine und ich hoffen und spekulieren auf unser bisher gut funktionierendes Glück.
Normalerweise hätten wir die Tauchgänge im Voraus bezahlen müssen, doch weder Nadine noch ich haben unsere Kreditkarten dabei und so wird die Zahlung auf morgen früh verschoben. 

Glücklich darüber, die Tauchbasis gefunden und auch noch freie Tauchplätze ergattert zu haben, schlendern wir noch ein bisschen durch Capurgana, bis wir ein total süßes veganes Restaurant finden, Casa Feel Free. Hier verbringen wir den Rest des Tages bei gutem Essen und leckeren Cocktails.

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