Medellin – Anreise von Capurgana über Necoclí

Teil 1: 20.01.2020 – 24.01.2020 // 20.01.2020

Unser letzter Morgen in Capurgana war angebrochen. Sowohl Nadine als auch ich waren sehr traurig, dass es mit dem Tauchen nicht geklappt hatte. Doch die Wanderungen, die wir in den letzten Tagen gemacht hatten, waren wirklich schön und Capurgana ist auf jeden Fall einen Besuch wert – auch ohne tauchen.

Da unser Boot erst um 10:15 Uhr ging, wollten wir zum Abschluss noch im Hostel frühstücken. Dafür hatten wir uns am Abend vorher bei der Französin angemeldet und auch mitgeteilt, dass wir Vegetarierinnen seien und ich eine Allergie gegen Ananas habe. 

Als wir uns am Morgen an die Frühstücksbar setzten, saß dort bereits eine 4-köpfige kolumbianische Familie. Das Frühstück wurde vom Besitzer des Hostels und Mann der Französin zubereitet. Nachdem wir unseren Namen genannt hatten, war der Mann sofort wieder hinter den Herd verschwunden und wir machten uns keine weiteren Gedanken. Dann wurde uns ein Teller mit Rührei, Arepa und Würstchen vor die Nase geknallt (und mit knallen meine ich genau das). Freundlich machten wir den Koch darauf aufmerksam, dass wir Vegetarierinnen seien und daher gerne neues Rührei hätten, ohne Würstchen. Der Blick den er uns zuwarf versprach einen langsamen und grauenvollen Tod.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, nahm er unsere Teller und gab sie dem Pärchen, welches sich kurz zuvor ebenfalls hinzugesellt hatte. Ich rief dem Koch noch zu, dass er bitte keine Tomaten in mein Rührei machen solle und abermals kassierte ich einen Blick, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Als nächstes bekam die Familie ihre Teller, ein Schälchen mit Ananasstücken und Ananassaft. Nach einiger Zeit stellte er ungefragt heißen Kakao vor uns ab, doch auf unser Frühstück mussten wir weiter warten. Nadine fragte, ob sie schon einmal den Saft haben dürfte und mit einem abfälligen Schnauben wurde ihr ein Glas gegeben. Ich fragte, ob es noch einen anderen Fruchtsaft gäbe, doch barsch wurde mir mitgeteilt, dass er nur Ananas habe. Bevor er wieder ging, fragte Nadine nach ihrem Schälchen mit den Ananasstücken – und das brachte das Fass zum Überlaufen.
Er rastete voll aus und meinte, dass wir nicht alles haben könnten. Entweder Saft oder Früchte – aber doch nicht beides. Vor allem, weil wir noch den Kakao bekommen hätten. Auch die anderen Gäste schauten ihn überrascht an und die kolumbianische Mutter fragte, warum ihre Familie alles bekommen hätte, doch der Mann wollte Nadine ihr Schälchen nicht geben – obwohl die anderen alle Saft und Früchte bekommen hatten. Erst, als ich meinte, dass ich weder das eine noch das andere hatte und jetzt die Früchte haben wollte, brachte er uns das Schälchen – garniert mit dem Blick des Todes. Etwas später kam dann auch unser Frühstück, die trockensten Arepa der Welt und Rühreier ohne Tomate, auch für Nadine, die ihre Eier gerne mit Tomate gehabt hätte. 

 

Kein Wasser in Necoclí

 

Mit dem Speedboot ging es um 10:15 Uhr nach Necoclí, wo wir um 11:30 Uhr ankamen. Während ich auf das Gepäck wartete, wollte Nadine im Office, welches gegenüber dem Hafen lag, auf Toilette gehen. Ich sah sie reingehen und kurze Zeit später wieder rauskommen und zum nächsten Restaurant laufen. Auch da kam sie fast direkt wieder raus. Nachdem sie es bei vier Restaurants versucht hatte, kam sie mit angespanntem Gesicht zu mir zurück. „Es gibt in ganz Necoclí kein Wasser“, sagte sie aufgeregt, „deshalb lässt mich gerade niemand auf Toilette.“ Und wie das so ist, wenn man etwas nicht darf, meldete sich nun auch meine Blase zu Wort.

Unsere Gepäcknummern wurden ausgerufen und mit unseren Rucksäcken machten wir uns schließlich auf zum Abfahrtspunkt unseres Busses. Als nächstes Reiseziel stand Medellin auf dem Plan. Nachdem ich mir den Reiseführer genau durchgelesen hatte, war ich nicht so positiv auf Medellin gestimmt. Die Stadt hatte bis auf eine Menge an Statuen wohl nicht so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Nadine im Gegenzug hatte bisher viel Gutes über die Stadt gehört. Es blieb also spannend. Zunächst mussten wir aber unser Problem mit der fehlenden Toilette angehen. Wir fragten in jedem Geschäft, Restaurant und Hotel, doch auch für Geld wollte uns niemand auf die Toilette lassen.

Mittlerweile waren wir an der Bushaltestelle angekommen, wo der Bus nach Medellin bereits wartete. Vor dem Bus stand der Busfahrer und wir erfuhren von ihm, dass der Bus um 12:30 Uhr losfahren und 60.000 Pesos kosten würde. 12:30 Uhr war nicht mehr lange hin und wir beide hatten nach dem spärlichen Frühstück wieder Hunger. Neben dem Ticketschalter gab es ein Restaurant und wir überlegten, ob wir dort Mittagessen sollten. Aber erstmal stellten wir uns am Ticketschalter an.

Dort erfuhren wir, dass auch um 13:30 Uhr ein Bus fahren würde. So hätten wir genug Zeit, um in Ruhe etwas zu essen. Als die Ticketverkäuferin einen Preis von 75.000 Pesos nannte, waren wir verwirrt und erzählten ihr, dass der Busfahrer einen viel niedrigeren Preis genannt hatte. Wütend rief sie den Busfahrer zu sich und putzte ihn runter: „Du bist nur für das Fahren des Busses zuständig! Alles andere ist mein Job. Und du bestimmst auch nicht die Preise, hast du verstanden? Mach das nie wieder.“ Eingeschüchtert trottete der Busfahrer zurück zu seinem Bus und wir bezahlten den Fahrpreis.

Wir hievten unsere Rucksäcke zum Restaurant nebenan und fragten als aller erstes, ob das Wasser wieder funktionierte, damit wir die Toilette benutzen konnten. Doch dem war leider nicht so. Die Besitzerin machte uns jedoch Hoffnung, dass wir die Toilette des Hotels benutzen dürften, welches direkt nebenan war. Mit Nadine ging sie ins Hotel und kam alleine zurück – Halleluja! Sofort als Nadine zurückkam, ging ich los, doch die Toilette war besetzt und ich musste warten und warten und warten. Den Geräuschen nach zu urteilen, die aus der Kabine kamen, schien nicht so, als würde derjenige gleich aus der Toilette kommen. Kurz bevor meine Blase platzen konnte, erspähte ich eine Putzfrau, die gerade dabei war ein Zimmer zu reinigen. Ich lief zu ihr und versuchte ihr meine Notlage zu erklären, damit sie mich im Zimmer aufs Klo lassen würde. Und tatsächlich, sie hatte wohl Mitleid mit mir und ich konnte endlich auf Toilette.

Danach lief alles recht entspannt ab. Unser Mittagessen war typisch kolumbianisch und der Bus nach Medellin fuhr auch fast pünktlich ab. Die Fahrt dauerte 8 Stunden und als wir in Medellin ankamen, waren wir froh, aus dem Bus aussteigen zu können. Mit dem Taxi ließen wir uns ins Hotel „61 Prado Guesthouse & Restaurant“ fahren und waren begeistert! Wir hatten über booking.com einen unschlagbar günstigen Preis ergattert und übernachteten in einer Suite, die nicht nur ein Queensize Bed hatte, sondern dazu noch ein Kingsize Bed. Doch das Beste war das Bad, das sogar Fenster hatte. Nach fast einem Monat gab es endlich wieder heißes Wasser zum Duschen. Man kann es sich kaum vorstellen, doch für mich war tatsächlich das Einbußen von warmen Duschwasser einer der härtesten Entbehrungen während der Reise.

Nadine und ich waren so entzückt von diesem Hotel, dass wir beschlossen, eine Nacht zu verlängern und mal einen Ausruhtag einzulegen.

 

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