Gekündigt. Und jetzt?

„Du hast gekündigt?“ „Ja.“ „Du gehst auf Reisen?“ „Ja.“ „Mutig.“

Ob ich mutig bin weiß ich nicht – auch wenn mir das oft bescheinigt wird. Ich möchte gerade einfach nur das machen, was ich schon eine ganze Weile machen möchte: Längere Zeit reisen. Die Idee gibt es schon lange. Anfangs nur ein kleiner Setzling, ist sie über die Jahre hinweg immer weiter gewachsen. Wenn studentische Freunde*innen in ihren Semesterferien die Zeit nutzten um fremde Länder zu besuchen oder gar ganze Semester im Ausland verbrachten, spross der kleine Setzling bei ihren Erzählungen immer weiter in die Höhe und ist nun ein voll ausgewachsener Garten.

Anfang 2019 fragte ich bei meiner Arbeitsstelle nach einem Sabbatical für zwei Monate in 2020. Solche Programme werden jedoch nicht angeboten, weshalb ich meinen Wunsch erstmal enttäuscht zur Seite schob. Aber ich merkte, wie mein Fernweh immer größer wurde. Mit Dokumentationen über fremde Länder versuchte ich meinem Leiden Einhalt zu gebieten, aber statt es zu verbessern, wurde es immer schlimmer. Nun sah ich auch noch in wunderschönen Bildern, was ich alles verpasste… Meine Stimmung trübte sich immer mehr, aber was sollte ich machen?

Lebe deinen Traum
Im Spätsommer erzählte mir meine Cousine, dass sie ihre Arbeit kündigen wolle um auf Reisen zu gehen. Ich war neidisch. Ihre Reiseroute hörte sich fantastisch an – Argentinien, Chile, Ecuador, Kolumbien. Ich erzählte ihr von meinem Wunsch auch für längere Zeit in die Fremde zu gehen um neue Kulturen und Länder zu entdecken. „Was ist dein Problem?“ fragte sie mich, als hätte ich nicht einen Job, eine Wohnung und einen Freund. „Den Job kann man kündigen. Und alles andere ergibt sich schon“, gab sie lachend zurück. Ich dachte lange über diese zwei kleinen Sätze nach. Heißt es nicht auch immer „Lebe deinen Traum“? Ich sprach mit meinem Freund über die Sache. „Wenn es dein Wunsch ist, solltest du es auf jeden Fall machen“, teilte er mir schließlich mit und so war die Sache geregelt.

Ich sprach noch einmal mit meiner Cousine. Sie war begeistert, dass ich sie begleiten würde. Aufgrund einer 3-monatigen Kündigungsfrist, würde es Januar werden, bis ich zu ihr stoßen kann und damit war klar, dass wir uns in Kolumbien treffen – ihr letztes Land auf dem Trip. Danach wäre ich also alleine… Aber darum kümmere ich mich, wenn es soweit ist…

Die Kündigung
Nachdem nun klar war, dass ich auf große Reise gehe und auch, dass ich dafür keine Sabbatical-Zeit bekommen würde, bereitete ich also meine Kündigung vor. Das fiel mir gar nicht so einfach, wie manch einer denken mag. Alles in allem habe ich sehr gerne dort gearbeitet. Aber es wird Zeit für ein neues Kapitel.
Gesagt, getan. Mein Chef und meine Kollegen*innen waren ziemlich geschockt. Aber alle freuten sich für mich. „Ich würde das auch gerne machen. Aber mir fehlt der Mut“, war ein Satz, den ich öfter hörte. Doch bin ich mutig?

Mut oder Nicht-Mut – das ist hier die Frage
Ich kündige meinen Job, ja. Aber braucht es dazu Mut? Laut Definition bedeutet Mut „Die Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden“, oder kurz erklärt „Mut ist, wenn man Durchfall hat und trotzdem pupst“. Ich bin jung, hoch qualifiziert und der Arbeitsmarkt ist stabil. Eine riskante Situation gibt es hier nicht, also ist auch kein Mut erforderlich.

Bis auf den ersten Monat verreise ich alleine. Braucht es dazu Mut? Ist es denn eine riskante oder gefährliche Situation laut Definition? Aber was genau ist daran gefährlich? Die Orte auf meiner Liste? Das würden jetzt wahrscheinlich 90% mit „Ja“ beantworten ohne einmal dort gewesen zu sein.

Die Sicherheit in Kolumbien und ganz Mittel- und Südamerika hat sich in den letzten Jahren stark erhöht. Natürlich sollte man nicht mit glitzerndem Goldschmuck und blitzender Brieftasche nachts rum laufen, aber sollte man das nachts am Marktplatz in Offenbach? Oder in der Kaiserstraße in Frankfurt? ich denke jeder, der in einer Großstadt wohnt, kennt solche Ecken. Man sollte sich der Umgebung entsprechend verhalten.
Costa Rica (das zweite Land auf meiner Reise) hat nach dem Unabhängigkeitskrieg 1949 Streitkräfte verboten. Costa Rica hat durch eine clevere und nachhaltige Außenpolitik keine Feinde. Dafür ist es das Vorzeigeland für Sozialpolitik, Wirtschaft, Demokratie und Umweltschutz in Südamerika. Zwar gibt es auch in Costa Rica Korruption und Kriminalität, aber die Regierung arbeitet daran, auch dies zu bekämpfen. In anderen Ländern herrschen dumme Menschen. Ist es nicht viel mutiger dorthin zu verreisen? Was ist gefährlicher? Eine dumme Regierung? Oder eine korrupte Regierung?

Zurück zum Thema Mut: Gehört nun Mut dazu in diese Länder zu reisen und das auch noch alleine? Es gibt Einkaufszentren, Supermärkte, fließendes Wasser, Internet (haha – ja, es ist wichtig) und vor allem gibt es hilfsbereite Menschen. Ich finde also, auch für diesen Punkt benötigt es keine besondere Portion Mut.

Träume verwirklichen
Für mich hat diese Reise also nichts mit Mut zu tun. Es geht vielmehr darum, endlich die Alltagsträgheit hinter mir zu lassen, meinem Wunsch nachzugehen und gesetzte Ziele zu erreichen. Ganz getreu dem Motto „Lebe deinen Traum“.

Am 24. Dezember beginnt meiner Reise. Jetzt zum Newsletter anmelden um keinen Bericht zu verpassen.

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