Unvorbereitet auf dem Weg nach Costa Rica

05.02.2020

„Sie haben jetzt noch zwei Stunden Zeit, um sich um Ihre Abreise aus Costa Rica zu kümmern. Dann schließen wir den Check-In.“ Mit diesen Worten entließ mich die Schalter-Dame und rief den nächsten Passagier heran. Es knackte kurz in meinem rechten Ohr und dann war da plötzlich ein lautes Fiepsen. Perplex trat ich wieder an den Schalter und fragte nach, was sie damit meinte.

Aus dunkelbraunen Augen sah sie mich genervt an und rollte theatralisch mit den Augen. „Das habe ich Ihnen doch bereits erklärt“, antwortete sie und warf dabei ihre langen schwarzen Haare zurück. „Wer nach Costa Rica einreisen will, benötigt auch ein bestehendes Ausreiseticket.“

„Aber ich darf doch 90 Tage visafrei in Costa Rica bleiben“, versuchte ich es erneut, doch sie fällt mir ins Wort: „Ja, aber das ändert nichts daran, dass Sie ein Ausreiseticket benötigen. Sie können sich ja einfach ein Flugticket auf unserer Website kaufen. Im Terminal gibt es einen Dunkin’Donuts mit W-LAN.“

Ich spürte, dass die Audienz beendet war, also schulterte ich meinen großen Backpack und zog meinen Tagesrucksack vorne über die Arme. Das Fiepsen in meinem Ohr wurde lauter und ich wusste im ersten Moment nicht, was ich machen sollte.

Gegenüber vom Check-In-Schalter waren Sitzbänke, zu denen ich mich erstmal hinbewegte und mich umständlich von meinen Rucksäcken befreite. Bevor ich nach Costa Rica einfliegen durfte, benötigte ich einen Beweis, dass ich das Land wieder verlassen würde. Und dafür musste ich mir ein Ticket holen, egal ob per Bus oder per Flieger. Tatsächlich hatte ich die Thematik schon einmal im Reiseführer gelesen, doch vor längerer Zeit und damit einfach verdrängt. Auf meinem Smartphone checkte ich kurz das verbliebene Datenvolumen und entschied mich ein W-LAN-Netzwerk zu finden. Es war nicht mehr viel Guthaben auf der Karte und ich wollte nicht riskieren, dass der Buchungsprozess abbrach und ich in Kolumbien feststeckte. 

Nachdem die beiden Rucksäcke wieder an ihrem jeweiligen Trageplatz waren, lief ich die lange, kahle Galerie mit dem marmornen Boden entlang. Die linke Seite bestand vollständig aus Fenstern, die das helle Tageslicht einließen. Ansonsten gab es auf dem Gang nichts, keinen Wasserspender, keine Getränke- oder Snack-Automaten – nur Licht, Marmor und Glas. Es wirkte alles sehr steril, vor allem da keine weiteren Personen im Gang waren. Nach etwa 70 Metern stand ich an der Treppe, die in das untere Stockwerk führte. Ich lief an weiteren Schaltern vorbei, bis ich zum „Food-Court“ angelangte, indem jedoch ebenfalls nur wenige Menschen unterwegs waren. Ich steuerte direkt den Verkaufsschalter von Dunkin’Donuts an und fragte, ob ich das W-LAN-Passwort haben dürfe.

„Wir haben kein W-LAN“, log mich der Verkäufer dreist an, was ich genau wusste, da mein Handy bereits ein verschlüsseltes W-LAN anzeigte.
„Ich würde auch einen Donut und einen Kaffee kaufen, wenn ich dafür das W-LAN nutzen darf“, bot ich freundlich an, wobei ich merkte, dass meine zum Reißen angespannten Nerven jetzt eigentlich kein extra Koffein benötigten.
„Das ändert nichts. Das W-LAN ist nicht öffentlich.“ Wenigstens gab er nun zu, dass sie W-LAN hatten und ich erklärte ihm meine Not. Doch der junge Mann, der etwa 20 Jahre alt war zuckte die Schultern und meinte, dass er mir nicht helfen könne. Dann drehte er sich um und ging. Entweder war meine Situation hier so geläufig oder ich sah einfach nicht hilfsbedürftig genug aus. 

Nun gut, dann musste ich mir eben selbst helfen. Ich watschelte den Weg zurück zu meinem Check-In-Schalter, an dem nach und nach mehr Leute eincheckten. Froh darüber, endlich die schweren Rucksäcke wieder absetzen zu können, lies ich mich auf die Sitzbank fallen und scannte die Umgebung. Mein Blick blieb an einem dunkelhaarigen Mann in meinem Alter hängen, der mit einer kleinen Frau zusammenstand. Hatte ich ihn nicht schon einmal gesehen? Er bemerkte mich ebenfalls und kam strahlend auf mich zu. Kurz bevor er mich ansprach, wusste ich auch wieder, woher ich ihn kannte. Er war der Rezeptionist in unserem Hostel in Salento gewesen (Salento-Beitrag verpasst? Kein Problem. Hier nachlesen.). Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir, dass er seine Freundin (die kleine Frau bei ihm) gerade zum Flughafen gebracht hatte, da sie nach Ecuador fliegen würde. Etwa zwei Wochen wolle sie dort eine Freundin besuchen. Ich berichtete ihm von meinem Versäumnis mit dem Ausreiseticket und dass ich nun schnell noch eins kaufen müsste. Er bot mir an, wieder zurück nach Salento ins Hostel zu kommen, wenn ich den Flieger nicht erwischen würde und da die beiden zum Gate mussten, verabschiedeten wir uns.

Wieder nach Salento zu reisen und dort einfach für längere Zeit zu bleiben, hörte sich zwar verlockend an, aber meine Pläne sahen anders aus. Ich musste mir ein Ausreiseticket kaufen.

Nach Costa Rica wollte ich weiter nach Nicaragua reisen und mithilfe meines Reiseführers erstellte ich einen groben Plan, wann ich wo in Costa Rica sein würde. So hatte ich ein ungefähres Ausreisedatum. Doch ich wusste nicht, wie mir Costa Rica gefallen würde und ob ich länger oder kürzer bleiben würde. Also wollte ich ein Ticket kaufen, welches ich flexibel umbuchen konnte. Ein Unterfangen, welches sich als schwerer als gedacht herausstellte.
Zunächst besuchte ich die gängigsten Flugbuchungsseiten, doch mit dem Handy war das nerviger und anstrengender als auf einem Laptop. Und die Flugpreise von Costa Rica nach Nicaragua waren auch echt teuer und zum größten Teil nicht flexibel. Auch wäre es reisetechnisch nicht gut nach Nicaragua zu fliegen. Der Flughafen befindet sich in der Hauptstadt Managua, die recht zentral im westlichen Teil Nicaraguas liegt. Doch viele Sehenswürdigkeiten befinden sich zwischen Costa Rica und Managua, d. h. ich müsste wieder zurückreisen, um dann wieder hoch zu fahren. Nach dieser Überlegung schaute ich im Netz nach Bustickets. Und endlich fand ich einen Anbieter, mit dem ich für 30$ von San Jose (Hauptstadt Costa Rica) nach Nicaragua fahren könnte. Auch wenn das Busticket bis nach Managua ging könnte ich zwischenzeitlich aussteigen.  Falls ich doch nicht an diesem Termin nach Nicaragua reisen würde wären nur 30$ statt 300$ verloren.

Ich klickte mich umständlich durch den Buchungsprozess, der alles andere als mobile-ready war und als ich endlich alle Daten eingegeben hatte und auf den „Jetzt bezahlen“-Button drückte, stürzte die Seite ab. Panisch dachte ich, dass vielleicht mein Datenvolumen aufgebraucht sei, doch ich konnte noch einmal auf die Seite gehen und den Vorgang wiederholen. Also alle Daten nochmal eingeben und das beste hoffen, doch leider wiederholte sich auch der Abbruch und das noch zwei weitere Male. Mittlerweile war ich schweißgebadet und fürchtete schon das Schlimmste.
Doch dann klappte es endlich und ich bekam die Bestätigung der Buchung. Erleichtert lehnte ich mich zurück und versuchte mein Herz zu beruhigen. Dann ging ich wieder zum Check-In und präsentierte der dunkelhaarigen Frau von vorhin mein Ausreiseticket. Sie nahm mein Smartphone in die Hand und checkte jedes Detail der Buchung mit kritischem Blick. Allerdings fand sie keinen Grund mich abzuweisen, weshalb ich zusammen mit meinem Smartphone auch mein Boarding-Ticket in die Hand gedrückt bekam. Ich konnte also nach Costa Rica einreisen und meine Reise alleine fortsetzen.

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