Minca – Natur pur

11.01. (Samstag) – 12.01.2020 (Sonntag)

Es ist noch dunkel, als ich um viertel vor sechs an der Rezeption unseres Hostels „Mundo Nuevo“ bereitstehe und auf meinen Guide warte. Der taube Dalmatiner „Trescientos“ hat sich furchtbar vor mir erschreckt, als ich nur mit meiner Handyleuchte ausgerüstet an die Rezeption gelaufen kam. Ich versuchte zwar extra leise zu sein, fiel dabei aber über einen kleinen Schemel und fegte ein Brettspiel vom Tisch. Doch zum Glück befindet sich der Aufenthaltsraum und die Rezeption nicht in unmittelbarer Nähe von den Zimmern.

Gemeinschaftsbereich und Rezeption Hostel Mundo Nuevo
Der Gemeinschaftsbereich und die Rezeption im Hostel Mundo Nuevo bei Tag

Während ich warte, gesellen sich noch zwei Holländer hinzu die ebenfalls mit zur Vogelbeobachtung kommen wollen. Um kurz nach 6 Uhr kommt schließlich auch unser Guide Raffael. Wir bekommen jeder ein Fernglas in die Hand gedrückt und los geht es den Hügel hinauf. Raffael kann fast jeden Vogellaut imitieren und während unserer Tour sehen und hören wir viele verschiedene Vögel. Leider ist meine Handykamera nicht gut genug um die Vögel auch auf einem Foto festzuhalten. Meine Highlights sind der große und kleine Tukan, die wir während unserer Vogelbeobachtung hören und bestaunen können.

Fun Fact: Der Vogellaut von Tukans hört sich an wie Froschgequake

360-Grad-Mirador

Um 8 Uhr sind wir wieder zurück im Hostel. Nadine hat es auch geschafft aufzustehen, sodass wir gemeinsam unser Frühstück genießen können. Danach geht es für uns auch schon direkt weiter. Von unserem Hostel aus, nehmen wir den Wanderweg, der den Berg weiter nach oben führt. Der Dalmatiner Trescientos begleitet uns. Nach etwa einer halben Stunde kommen wir an einem anderen Hostel an, bei dem es sich aber lediglich um einen Holzverschlag handelt. Vor der Hütte steht eine Maschine zur Vorbereitung der Kaffeebohnen. Eine Frau kocht gerade lecker aussehendes Essen in einer großen Pfanne und einige Arbeiter stehen herum und warten sichtlich darauf, dass sie fertig wird. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass hier Backpacker oder andere Touristen übernachten. Vielleicht ist es aber auch nur für Arbeiter.

Urzeitliche Maschine zum Kaffee schälen
Mit dieser urzeitlichen Maschine wird der Kaffee geschält

Der Weg führt weiter steil nach oben. Um uns herum ist der Dschungel dicht und es wird immer schwüler und heißer. Die ganzen Vögel, die ich heute Morgen beobachten und hören konnte, haben sich verkrochen. Wir hören nur das laute Zirpen der Zikaden. Irgendwann verlässt uns Trescientos und wir sind alleine. Nach etwa einer Stunde haben wir unser Ziel erreicht – den 360-Grad-Aussichtspunkt ganz oben auf dem Berg. Die Aussicht ist atemberaubend. Da wir auf einem Berg stehen, können wir auf der einen Seite bis nach Santa Marta und zum Meer schauen und auf der anderen erstreckt sich der Dschungel mit weiteren Bergen. Gefesselt setzen wir uns in den Schatten einiger Büsche und genießen unser mitgebrachtes Mittagessen.

Aussicht vom 360 Grad Mirador
Vom 360-Grad-Mirador hat man eine fantastische rundum Aussicht

Pozo Azules – Menschenmassen in der Natur

Wir kommen etwa gegen 12 Uhr zurück vom Mirador ins Hostel und gehen direkt weiter. Diesmal gehen wir bergab zu den „Pozo Azules“. An den Kaffee- und Bananenplantagen unseres Hostels vorbei, führt der Weg diesmal durch offenes Gelände. Die Sonne brutzelt stark auf uns hinab und wir müssen immer mal wieder im Schatten anhalten um etwas zu trinken. Plötzlich geht es aber nicht mehr weiter. Ein Gartentor mit dazugehörigem Zaun versperrt uns den weiteren Weg. Aus dem Schatten taucht eine in die Jahre gekommene Frau auf und verlangt 2000 Pesos pro Person. Wir waren auf dem „offiziellen Wanderweg“ und leider führte auch kein Trampelweg um den Besitz herum. Wohl oder übel mussten wir den Wegezoll begleichen und konnten dann weitergehen. Etwa 500 Meter später verließen wir das Grundstück wieder durch ein Gartentor.

Um bis zu unserem Ziel zu gelangen, mussten wir noch ein paar Mal den Fluss überqueren, einmal über eine komische unsichere Bambuskonstruktion, aber endlich waren wir am Ziel angekommen. Im Flusslauf liegen schon einige Menschen, die sich im kühlen Wasser abkühlen. Wir befinden uns an einem seichten Stück des Flusses. Weiter Flussaufwärts gibt es eine Erhöhung mit einem Wasserfall. Dort sehen wir weniger Menschen und beschließen dort hoch zu klettern.

Die Pozo Azules sind ein beliebter Freizeittreff
In der Umgebung von Minca sind die Pozo Azules sehr beliebt

Mehrere Kolumbianer befinden sich oben im Becken unter dem etwa acht Meter hohen Wasserfall und warten darauf, dass eine Frau runterspringt. Immer wieder geht sie an den Rand des Wasserfalls, alle um unser herum feuern sie an und zählen von zehn rückwärts, doch den Mut findet sie auch weiterhin nicht. Neben ihr springen immer wieder andere Leute ins Becken, darunter auch einige Kinder.

Wir verbringen etwa eine Stunde hier, bis es immer voller wird. Dann entschließen wir uns weiterzugehen. Als wir den Bereich verlassen, wissen wir, dass es eine gute Entscheidung war, denn ungefähr weitere 50 Kolumbianer drängeln sich in dem Moment durch den Eingang.

Kaffeetour auf der Finca „La Victoria“

Von den Pozo Azules wollen wir zur Finca „La Victoria“. Sie war uns bereits von einigen Leuten empfohlen worden, um eine Kaffeetour zu machen. Da der Nachmittag schon fortgeschritten war und wir müde vom Tag sind, schnappen wir uns Mototaxis, die vor dem Ausgang der Pozo Azules stehen, und fahren für 15.000 Pesos zur Finca La Victoria. Bis zur nächsten Tour (15.000 Pesos inkl. Kaffee) haben wir noch etwas Zeit und so können wir uns die Wartezeit mit einem hauseigenen Kaffee und Kuchen versüßen.

Die Tour beginnt im Kaffeespeicher der Finca, wo wir die Antwort darauf bekommen, warum es so schwer ist, in Kolumbien guten Kaffee zu bekommen. Kaffee wird in drei Kategorien unterteilt. Der beste Kaffee, Kategorie 1, wird fast ausschließlich nach Europa und die USA exportiert, da so der meiste Umsatz erzielt werden kann. Kategorie 2 wird ebenfalls hauptsächlich exportiert, meistens nach China. Kategorie 3, also der schlechteste Kaffee, wird innerhalb von Kolumbien verkauft.

Über die Kaffeeplantage gehen wir weiter zur Sortiermaschine und erfahren allerlei über den Anbau, die Ernte und den Prozess danach. Als der Uhrzeiger immer näher Richtung 17 Uhr läuft, werden Nadine und ich nervös. Wir wollen heute unbedingt den Sonnenuntergang von der Plattform unseres Hostels sehen, doch die für 1,5 Stunden angesetzte Tour dauerte nun fast schon zwei Stunden und nahm einfach kein Ende. Während wir von der Einpackhalle raus zu einer Röstmaschine gehen, hören und sehen wir zwei Mototaxis, die in die Halle fahren. Nadine und ich blicken uns an und ohne ein weiteres Wort schleicht sie zu den zwei Taxifahrern, während ich mit der Gruppe weiterlaufe. Kurze Zeit später schließt sie wieder zur Gruppe auf und nickt mir zu. So höflich wie möglich verabschieden wir uns von unserem Tourguide und fahren mit den Mototaxis für 35.000 Pesos zurück zu unserem Hostel Mundo Nuevo.

Nadine muss oben noch einmal ins Zimmer gehen, um Geld zu holen, während ich bei den Fahrern bleibe. Die zwei setzen sich neben den Eingang und ich gehe um das Motorrad herum und geselle mich zu ihnen. Beim Unterhalten gehe ich einen Schritt zur Seite und merke, wie etwas meine Wade berührt und plötzlich sehr heiß und schmerzhaft wird. Ich ziehe mein Bein zurück, doch da ist das Unglück schon passiert: Ich habe mich am Auspuff verbrannt. Die Außenseite meiner Wade zeigt eine große Wunde, an der noch einige traurige Hautfetzen hängen. Der Schmerz bahnt sich langsam aber unaufhaltsam seinen Weg von der Wunde durch mein Bein in mein Schmerzzentrum. Immer noch geschockt, entschuldige ich mich bei den zwei Mototaxifahrern und gehe Richtung Rezeption, wo ich eine Salbe gegen Verbrennungen erhalte. Der Schmerz ist nun vollends angekommen und mein Bein brennt wie Feuer. Ich komme mir unheimlich dumm vor, aber jetzt ist der Schaden angerichtet.

Die Sonne geht langsam unter. Es ist unser letzter Abend im Hostel Mundo Nuevo, also auch die letzte Chance, den Sonnenuntergang von hier zu bewundern. Mit schmerzendem Bein setze ich mich zusammen mit Nadine und dem Rest der Hostelgäste auf die „Sonnenuntergangsplattform“. Von hier hat man einen grandiosen Blick auf die Sonne, die damit beschäftigt ist, den Tag ausklingen zu lassen. Stetig sinkt sie Richtung Horizont, taucht Santa Marta, das Tal und den Dschungel in dunkeloranges Licht, bevor sie schließlich unter geht und uns kurze Zeit später in Dunkelheit zurücklässt. 

Sonnenuntergang über dem Tal von Minca
Minca hat einen wunderschönen Sonnenuntergang
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